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Orient Express reloaded

Orient-Express

Gestern im strömenden Regen standen Menschen an einem Bahnhof und es war kein Dach, sie zu schützen. Sie schienen es auch gar nicht zu wollen. Im Gegenteil: Sie verließen die Räume, die sie vor dem Regen hätte schützen können und gaben sich ihm hin wie Pflanzen, die vor Durst schier umgekommen waren. Aber es war nicht der Regen, den sie so hingebungsvoll grüßten. Es war das Licht. Ein Licht, von dem niemand seine Quelle wusste. Kein Scheinwerferlicht von einem Auto, kein Stern, der vor dem Verglühen noch einmal aufleuchtet, und nicht das Licht einer schräg am Horizont stehenden Sonne. Es war, als wäre eine ex-terrestrische Spezies gelandet, die sich nicht zeigen will. Gleichzeitig herrschte Stille. Der Regen sollte aufs Dach trommeln, auf den Beton, auf die Haut. Aber es blieb still; keine drückende Stille, wie vor einer Katastrophe, für die nur Tiere eine Antenne haben, sondern eine, die grenzenlosen Jubel vorwegnimmt. Überrascht und überwältigt von etwas Unerwartetem, das einem die Sprache verschlägt, den Atem raubt, so standen sie da. Entrückt. Der Wirklichkeit entkommen. Was war geschehen? Ein Wunder? Nein. Aber was dann?
Mit ohrenbetäubendem Lärm, mit Stampfen und Zischen und Schnauben, eingehüllt in einer Wolke aus Dampf und Licht, rast aus dem Dunkel der Zeiten der Orient-Express auf sie zu, an ihnen vorbei, über sie hinweg, im rasenden Stillstand den Fahrplan der Zukunft einhaltend, für die es kein Ankommen gibt weder damals noch jetzt und hier.

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