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Schachmatt

Breitbeinig steht er vor dem Aushub und schält bedächtig eine Banane. Er schaut hinunter zu dem anderen Arbeiter, der mit einem Pressluftbohrer zugange ist, stopft die Banane Bissen für Bissen in seinen Mund und wirft die Schale achtlos in das ausgehobene Loch, als müsste auch dieses gefüttert werden. Sein Blick streift eine Frau mit hennarotem Haar. Er will ihr hinterher pfeifen, sein Mund aber ist von der Banane zu voll. Sie scheint um ihre Wirkung auf Männer zu wissen und schleudert in einer ausholenden Bewegung ihres rechten Armes ein Ende ihres grünen Wollschals um den Hals.

Die Hände jetzt der Kälte wegen wieder in den Taschen ihres schwarzen Mantels begraben, eilt sie auf das Lokal zu, von dessen Frontscheibe aus das Geschehen auf der Straße von einem Mann wie in einer gerahmten Auslage beobachtet wird. Er und eine Frau am Nebentisch sind die einzigen Gäste. Die Kellnerin wischt mit einem Staubfetzen über den Tresen, um irgendetwas zu tun. Jetzt blättert der Mann – bei jeder Seite die Finger befeuchtend – in einer Zeitung, schaut kurz auf, nimmt einen Schluck aus dem Glas mit dem perlend aufsteigenden Wasser, während die Frau den Raum betritt, kurz innehält, sich umblickt, um mit einem nicht einmal angedeuteten Lächeln des Wieder-erkennens auf den Tisch zuzusteuern, an dem der Mann sitzt. Ohne ihn zu grüßen, – als hätten sie sich eben vor wenigen Augenblicken getrennt -, lässt sie sich in den gepolsterten Stuhl fallen, nimmt das Handy aus ihrer Tasche, wischt kurz über den Screen, murmelt eine Entschuldigung: Verzeih, aber ich muss da schnell…,  klappt aber dann die Handyhülle mit Marmoroptik zu und schnippt nach der Bedienung. Er hasst es; hat es immer schon gehasst und geniert sich für sie. Die Kellnerin lässt sich nichts anmerken und nimmt die Bestellung auf.

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