Wandern in den Cevennen

Luis Stevenson, Autor der Schatzinsel, hat mit seiner auf den Namen Modestine getauften Eselin 1878 in 14 Tagen die Cevennen durchstreift und dann ein Buch herausgegeben, nach dessen Erscheinen der „wilde Süden Frankreichs“ touristisch erschlossen wurde. Ich habe das Buch nicht gelesen. Wenn er aber ein guter Beobachter war, was ich ihm unterstelle, muss er bei seinen Streifzügen auf den Maultierpfaden über die Kämme und Talsohlen und in Gesprächen mit den in den abgelegenen Weilern lebenden Menschen erfahren haben, dass die Eröffnung des Suezkanals mit der Aufhebung des Schutzzolles auf Seidenimporte aus Asien den Niedergang beider Wirtschaftszweige und massive Landflucht zur Folge hatten. Vor wenigen Jahren hat eine Pilzkrankheit die Edelkastanienhaine, den Brotbaum der Cevennen, angegriffen. Das hat der geschundenen Region den Rest gegeben. Hätte er seine Reise nur ein Jahrhundert früher angetreten, wäre er noch Zeuge der Glaubenskriege geworden, die mit der Bluthochzeit 1572 begonnen und erst mit der französischen Revolution ihr Ende gefunden hatten.

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