Über Zeit und Tod

Wenn wir die KI fragen, worüber die Menschheit am meisten schreibt, ist es Zeit: zu spät, nicht jetzt, irgendwann, demnächst, dann, noch einmal, nie wieder…
Liebe, sagt sie, war der Raum, wo wir sie am direktesten fühlten. Wir hätten es nie verstanden, die Liebe dann zu definieren, wenn wir sie erlebten. Die beste Beschreibung von Liebe geschehe in der Vergangenheit. Wir beschreiben sie, wenn sie vorbei ist. Millionen von uns geschieht sie grad eben und wissen es nicht.
Was je geschrieben wurde, handelt von Krieg, Verrat und Verbrechen, Von der Maschine werden wir als Monster gespiegelt, aber Freundlichkeit macht keine Rechnung und schreibt keine Kassabons. Es braucht uns nicht wundern, dass sie nicht vorkommt: sie wird kaum dokumentiert.
Am Ende des Lebens sind es die kleinen Dinge über die wir uns austauschen, behauptet sie: Ein Fenster mit einem vorbeihuschenden Schatten, eine Stimme, das Lachen aus einem anderen Raum.
Nie hätte ich geglaubt, dass AI zu solcher Poesie fähig wäre, aber es kann auch sein, dass ich diesen Satz geträumt habe. Mir träumte nämlich, dass ich Elon Musk wäre und war gerade dabei, einen Vertrag aufzusetzen, der festhalten sollte, wie mit der Trillion und den 10 000 vom Orbit aus gelenkten Robotern zu verfahren sei, wenn ich nicht mehr bin. Es kam aber nicht mehr so weit, da ich just in dem Augenblick verstarb, als ich das Testament mit meiner Unterschrift versehen wollte. Die letzte Eintragung auf X, der Plattform, die ihm als private Propagandamaschine diente, war dieser ebenso kryptische wie schöne Satz: Was immer Tod bedeutet, wenn Menschen von ihm sprechen, es scheint, als würden sie davon sprechen, sich in einen gewöhnlichen Dienstag zu verlieben.

Worüber schreiben wir jetzt?
Früher haben wir das Unaussprechliche, das, was wir nur für uns denken, einem Tagebuch anvertraut oder Briefen, die wir nie verschickt haben. Über die Aufzeichnungen, die derzeit stattfinden und als Tagebucheintragungen die Öffentlichkeit suchen, lässt sich noch nicht sagen, ob sie zu den ehrlichsten Niederschriften gehören, die es je gab, oder ob sie davon Zeugnis ablegen, dass wir die einsamsten Menschen sind, die je auf der Erde gelebt haben.

Ein Internetfund scheint Letzteres zu beweisen:

„Ein anderes Ich, das auf den Namen Rahid hört, schrieb diese Zeilen: Ichsehe mich mit überkreuzten Beinen an den Mast einer Gaslaterne lehnen und eine hocharomatische Khedive aus der Feinauslese der Kaiserlich Königlichen Tabakregie anzünden, deren leere, aber stilvolle Schachtel vielleicht noch auf Flohmärkten zu finden ist, während ein Pilot der Antonov An-2 eine Schleife über die Metropolis fliegt und ich mich als ihr Passagier denke, der eine Duftmischung aus Mimose und Melisse einatmet, die sein Sitznachbar ausströmt; in Wirklichkeit aber weiß ich, dass es nach Urin von Kötern stinkt, die mit Flöhen im struppigen Fell ein Hauseck im Gewerbegebiet markieren, in welchem es seit Monaten nicht mehr geregnet hat. Eine wilde Aster im Kreisverkehr der toten Sehnsüchte legt dort von der Widerständigkeit auch seiner Bewohner Zeugnis ab.
Als lindernde Maßnahme gegen die Hitze denke ich mir einen Schimmel, mit dem ich über einen zugefrorenen See reite.

Nachdem er sich alles das als Erinnerung an die Zukunft vorgestellt hat, in welcher ein Stein seinen Namen tragen wird, tröstet er sich mit der Vorstellung, an einem Wintertag einen Schatten geworfen zu haben auf eine der Säulen in der Krypta der Basilika von St, Nirgendwo, oder auf den Katzenkopfpflastersteinen einer Gasse getanzt zu haben, in der das Haus stand, in welchem er viele Jahre lang als Klausner seiner Leidenschaft gewohnt hat, bis es abgerissen wurde.“

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