Nachtrag zu den Felsbildern

Wenn man die Menschheitsgeschichte zurueck verfolgt bis zu den palaeolithischen Zeiten schriftloser Voelker,  versiegen die Quellen, die uns zb. darueber Auskunft geben koennen, welche Rituale unsere Vorfahren vollzogen, wie und wovon sie gelebt haben, gaebe es die Felsbilder nicht. Neben den mit mineralischen Farben geschaffenen Bildern (gelber, brauner, roter Ocker, weisser Kalk, Holzkohle, Russ und den Bindemitteln Blut, Eiweiss, Urin und pflanzlichen Saeften) gibt es die Felsgravuren, die geschliffen oder geritzt sein koennen. Auch die Felsgravuren koennen bemalt sein.

Felsbilder finden sich dort, wo sich die Menschen niederliessen, aber auch an lebensfeindlichen Orten. Dort wollten sie wohl ihren Geistern und Goettern naeher sein.

Beim Betreten solcher Felsueberhaenge oder Hoehlen, deren Waende mit Jahrtausende alten Felsbildern oder Gravuren bedeckt sind, wuerde man am liebsten die Kopfbedeckung abnehmen, und – bevor man noch die Darstellungen deuten will – zuerst einmal den Zauber auf sich einwirken lassen, den diese beinahe imaginaere Welt auf einen ausuebt. Wenn man die Bilder betrachtet, kann man die dumpfen Trommeln aus bespanntem Tierfell hoeren und die Floeten aus Knochen, die eine Jagd vorbereitet, begleitet oder gefeiert haben, wenn das Erjagte das Ueberleben der Sippe fuer die naechsten Tage gesichert hatte. Niemals waren sie als Mitteilung fuer die Ewigkeit gedacht, sondern Ausdruck von Magie, um die erlegten Tiere wieder zum Leben zu erwecken oder sich mit seinem Geist zu versoehnen. 

Sie rufen Ereignisse wach, mythische oder reale, und sie offenbaren uns die Traeume, Wuensche und Aengste jener Menschen, die sich Grotten, Felsflaechen, Hoehlen als geeignete Gesteinsunterlagen fuer ihre Botschaften und kultischen Handlungen waehlten, mit den Symbolen fuer die Gestirne auch Ursprung der Astronomie.

Diese Bilderhoehlen und bemalten Felsueberhaenge sind sakrale Orte, vergleichbar mit unseren Kathedralen, die die Menschen heute zur geistigen Sammlung aufsuchen. Was sind unsere an Gott gerichteten und in Stein gehauenen Gebete anderes als die von den Steinzeitkuenstlern geschaffene praehistorische Felskunst?
 
Den Zahn der Zeit, der an diesen grandiosen Zeugnissen nagt, koennen wir nicht aufhalten, aber wir koennen und muessen- wie es mein Bruder und viele andere tun, die diesem faszinierenden Erbe auf der Spur sind, alles daran setzen, dass wir die natuerliche Zerstoerung dieser Freilichtmuseen nicht durch kuenstliche Eingriffe eines schnellen Profites wegen – wie es die multinationalen mining companies vorhaben – vorwegnehmen.

 

Vielleicht kann auch mein Dokumentationsvorhaben ueber die Felsbildkunst von Carabaya am Beispiel aufzeigen, wie unerhoert schuetzenswert dieses Erbe ist und einen bescheidenen Beitrag zur Sensibilisierung und Mobilisierung leisten, wie es mein Bruder mit seinen Veroeffentlichungen  tut.

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