Versuch eines Lageberichts

Bolivien muss auch in Europa viel in die Schlagzeilen geraten sein. Die beinahe buergerkriegsaehnlichen Auseinandersetzungen zwischen den Anhaengern von Evo Morales, den Masistas (MAS-Movimiento al sozialismo), sowie den ebenfalls bewaffneten Campas der Media Luna, wie man hier die drei Provinzen nennt, die Autonomie wollen, haben 15 Tote gefordert. Nachdem der Botschafter der USA zur persona non grata erklaert worden ist und das Land verlassen musste, der Prefekt von Pando, einer der aufstaendischen Provinzen, eingesperrt wurde, kam nach Initiative von Lula, dem Praesidenten Brasiliens, ein Krisengipfel des Unasur zustande. Die Lage aber bleibt weiterhin gespannt. Die Ausfallstrassen von Santa Cruz, Beni und Pando sind blockiert und ein Marsch bewaffneter Masistas auf Santa Cruz soll die Prefekten zum Einlenken zwingen. Mit ihrer auf diese Art und Weise erpressten Unterschrift wuerden sie allerdings zulassen, dass die vormals foederalistischen Strukturen zerschlagen, ihre Rechte beschnitten, die Munizipios ihre Machtstellung einbuessen und der Zentralgewalt der Regierung unterworfen wuerden. Dass sie diese Verfassungsaenderung nur unter Androhung von Gewalt und Blockade akzeptieren werden, beweist die Schwaeche der Regierung.
Evo Morales, ehemaliger Anfuehrer der Kokabauern, scheint keine Politik der Versoehnung betreiben zu wollen. Im Gegenteil: Die Konflikte zwischen Stadt und Land, arm und reich, Regierung und Opposition, zwischen ultrarechts und linksradikal spitzen sich zu. Journalisten werden massiv bedroht und eingeschuechtert. Schnell ist jemand wie der Prefekt von Pando der „Schlaechter von Lyon“. Jetzt muss er nach Sucre ueberstellt werden, da ihm Lynchjustiz droht. Auf den Waenden in El Alto, dem Armenviertel von La Paz, liest man Parolen, die zum bewaffneten Kampf gegen die „Faschisten“, den Campas in den aufstaendischen Provinzen aufrufen.
Inzwischen hat auch Chavez aus Solidaritaet mit Bolivien den US-Botschafter abgezogen und mit ihm gleich auch noch den Boss von Amnesty International des Landes verwiesen. Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr fuerchten.

Wie immer es ausgeht, die nur noch von kritischen Intellektuellen vielbeschworene Einheit des Landes ist derzeit mehr als in Gefahr.

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