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Verständigung

Verständigungsschwierigkeiten? Eigentlich kaum. Ska problem. Klingt Wienerisch. Mit „Danke“ (malifinderit), Guten Tag (mir dita), die Rechnung, bitte (i fatture lüttem), auf Wiedersehen (miro pashim) und dem Einsatz von Körpersprache und Handzeichen, kann man sich auch mit denen verständigen, die kein Englisch oder Italienisch, sondern nur shqip, also Albanisch sprechen.  Das Albanische gilt als eigenständige Sprache innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie, geschichtlich geprägt allerdings von romanischen, slawischen und türkischen Einflüssen.

Nach längerem Aufenthalt und mit Hilfe von Raki jedenfalls glaubt man schon einem Gespräch folgen zu können. Zuerst allerdings musst du dich einer kleinen Prüfung unterziehen lassen.  Die erste Frage, die der Gesprächseinleitung dient,  ist die nach dem Herkunftsland. Das kommt einem manchmal vor, als würde jeder von ihnen eine  Liste erstellen, in welcher er die Häufigkeit von Begegnungen mit verschiedenen Nationalitäten einträgt. Als Österreicher scheint man einen Bonus zu besitzen, was ich mir nur dadurch erklären kann, dass die Habsburger den Kampf der Albaner um Anerkennung ihrer Eigenstaatlichkeit 1912 aus „divide et impera“-Interessen, wie wir alle wissen, unterstützt haben.  Die zweite Frage ist für den weiteren Verlauf der angebahnten Kommunikation von entscheidender Bedeutung. Wer sie richtig beantwortet, hat gewonnen:  „Gefällt dir Albanien?“  Oder: „Did you enjoy it“, wie mit strengem Blick selbst der Schalterbeamte und somit der letzte Skipetar, den wir am Flughafen vor der Ausreise zu Gesicht bekamen, von uns wissen will, – ganz  so, als würde er von unserer Antwort abhängig machen, ob uns der Stempel im Pass auch zusteht.

Auffällt, dass die Jugendlichen ein aus Schule und TV-Konsum hervorragendes Englisch sprechen. Sie wollen keine Gelegenheit ungenutzt lassen, um mit Ausländern ins Gespräch zu kommen und ihre Englischkenntnisse anzubringen. Gegenfragen gibt es so gut wie keine. Wozu auch.  Sie kommen ohnehin nicht aus dem Land. „Europa will uns nicht“, ist deren einhellige Meinung. „Nur die bisnessmen kriegen ein Visum.“  Und das ist zu teuer für Menschen, die im Schnitt 150 € im Monat verdienen, wenn sie bei der hohen Arbeitslosigkeit, die nach offiziellen Schätzungen bei ca. 16% liegt, in Wirklichkeit aber mit 3 multipliziert werden darf, überhaupt einer Lohnarbeit nachgehen.  Im Süden und in Küstennähe kann man es auch mit Italienisch versuchen.

Noch einmal: Verständigungsschwierigkeiten? Ska problem.

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