Vorsatz

Jetzt wo länger werden meine Tage oder kürzer, weil ich länger schlafe, und ich mich mit dem Aufwachen frage, wie ich sie verbringen will, Vergangenes heraufdämmert, ein Sommer zum Beispiel mit stoppelgelben Feldern, auf denen Schafe weiden, und ich meinem Sohn zuschaue, wie er selbstvergessen mit dem spielt, was er im Keller eines alten Bauernhauses gefunden und aus den Spinnweben befreit hat, ich dem Singsang derer lausche, die in der sengenden Hitze mit Bauchläden den Strand auf und ab laufen, um Erfrischungen anzubieten, das Leben so eingerichtet, als wäre jeder seiner Augenblicke von größter Bedeutung, ohne auch nur zu ahnen, wie winzig das Teilchen Zeit ist, das wir leben werden, so nichtssagend vor der Ewigkeit, und wie unermesslich der Raum, in welchem wir uns nie aufhalten werden, jetzt, wo ich das alles zu wissen beginne, und wieder Sommer ist, mein Sohn ein junger Mann auf der Jagd nach Erfahrungen, die ich ihm nicht ersparen kann, obwohl in ihm auch mein Blut kreist, jetzt, wo mein Lied gesungen ist und die Flamme der Neugier kaum mehr flackert, weil alles, was fremd ist, ich mir selber bin, heute, wo Sonne und Uranus eine Konjunktion bilden, eine unter Umständen positive Konstellation, wie mir ein Horoskop weismachen will, heute werde ich noch einmal so tun, als läge mein Leben vor mir.

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