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Del Rio und Texas damals

Del Rio hat nicht viel zu bieten. Es ist ein Provinznest, selbst ernannte Wolle- und Mohairhauptstadt der Welt. Nichts als TEX-MEX-Buden. Trotzdem habe ich hier einen Tag blau gemacht, mich ausgeschlafen, um später eine Stepvisite auf der anderen Seite der Grenze zu machen und die mexikanische Schwesterstadt „Ciudad Acuna“ zu besuchen. Hier heißt der Rio Grande „Rio Bravo del norte“. Daraus wurde nichts. Das Prozedere an der Grenze hätte mich den Tag gekostet. Dazu kommt, dass ich das Auto hätte stehen lassen müssen, um bei brüllender Hitze einen Fußweg nach Mexiko anzutreten. Also bin ich wieder umgekehrt. Noch einen letzten Blick auf den aufgestauten See „Amistad Dam“ und wieder zurück ins Gringoland.

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Auf der Suche nach downtown und dem alten Stadtkern, von dem eigentlich nichts übrig geblieben ist bis auf wenige Sandsteinbauten der Gründerjahre, fand ich allerdings in einer Seitenstraße versteckt das Whithead Memorial Museum. Hier konnte ich als einziger Gast in die manchmal kitschig reproduzierte Welt von Gestern eintauchen. Puppenstubenartig wurde hier auf einem ziemlich großen Areal das Texas der Pionierzeit nachgebaut. Hier ruht auch Judge Bean, jener legendäre Richter, der seinen Alkoholkonsum über die eingehobenen Geldstrafen finanziert hat. Er sitzt in Lebensgröße auf einem Stuhl. Vor ihm auf dem Tisch liegt eine dicke Bibel und daneben steht eine Whiskyflasche. Das ist Rechtssprechung, wie ich sie mir gefallen ließe. Die Behausung und das Interieur dürfte sich bis auf die obligate Fernsehkiste in den bescheidenen Häusern, die die Straße hierher gesäumt haben, nicht viel geändert haben. Sie erinnern mich an die Holzhütten mit Veranda, wo auf Stühlen dicke, schwarze Omas sitzen und in den Sonnenuntergang schauen. Ein Bild aus Filmen aber, die eher im Mississippidelta in der Gegend um New Orleans spielen.

Die martialisch ausgerüstete Arzpraxis hat mich besonders beeindruckt. Das erste Mal sehe ich auch die legendären Planwagen der Siedler und kann sogar einen Waggon der Pacicic Union betreten und Schaffner spielen. Muss toll und einigermaßen komfortabel gewesen sein, mit diesen Zügen durch den Wilden Westen zu reisen.  Selbst die Kinder schaukeln schon im Sattel. Wrestling keine neue Erfindung, wie mir ein Schaukasten anschaulich zeigt. Ich setze mr die Mützen eines Railroadschaffners auf, die eines Postbeamten und den Helm,  den amerikanische Soldaten noch heute tragen. Ein Raumanzug der NASA will das Bild korriegieren, das man landläufig von Texas hat.  Neben Rindern und Öl soll es bitte auch mit Raumfahrt assoziert werden. Anrührend auch das Piano, auf dem die berühmt- berüchtigte Lily Langtry gespielt haben soll, die nie erwiderte Liebe des Richters Roy Bean. Was aber die überdimensionierte Krippe soll, weiß ich nicht. Eine Werkstatt, ein Stall mit den unterschiedlichen Brandeisen der Rinderbarone von Texas, Stiefel, Sättel, aber auch ein Raum, der die Ureinwohner in ihrer natürlichen Umgebung zeigt.  Die lebensgroßen Indianerpuppen allerdings, die seinen Eingang bewachen, sind wahrlich nicht den schönsten Exemplaren ihrer Gattung nachempfunden. Insgesamt ein lohnender Abstecher in die Welt von damals.

Welche Route ich Morgen nehmen will, weiß ich noch nicht.

Übrigens hat mein Sohn einen neuen Song auf Youtube gestellt, den ihr euch anhören solltet. Danke fürs Folgen.

3 Comments
  • Ingrid
    Posted at 11:03h, 19 September Antworten

    diese geschichte – toll, wie du das dokumentierst.
    du machst dich gut als Sheriff.

    frage: eine liebe nachbarin-freundin würde gerne deinen blog lesen – darf ich ihr ihn weitergeben – und wie?

    lg ingrid

  • Bianka Heise
    Posted at 06:41h, 17 September Antworten

    Cooler Beitrag zu dem Thema, der mit den meisten Informationen denke ich, den ich bis jetzt gefunden habe. Ich hoffe, Ihr bleibt am Thema dran?! War da nicht vor kurzem schon mal ein Artikel drüber? Alles Gute Bianka Heise

    • Helmut Hostnig
      Posted at 17:48h, 17 September Antworten

      Danke, liebe Bianca. Freut mich, dass du mir folgst. Yeah, give me feedback. Howdy
      Helmut

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