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Lubbock: Nachschlag

Mit diesen Interviews und den zwei noch zu Editierenden, dürfte ich das Meinungsspektrum zu meinen immer gleichen Fragen abgedeckt haben. Es sind O-Ton Stimmen von Frauen und Männern unterschiedlichster Herkunft und sozialem Background, die alle hier im Highland Park wohnen oder mit ihm als Arbeiter zu tun haben, und ihre Sicht auf das Amerika, wie ich es hier in Lubbock Texas vorgefunden habe, spiegelt.

Hätte ich ein Auto, würde ich mich hier allabendlich auf den Weg in die Bars machen, die den Saloons aus den Zeiten der ersten Siedler nachempfunden sind. Es wird gepokert und Poolbillard gespielt, gegessen und daneben Fernseh geschaut: Meistens sieht man schrankgroße Männer mit maulkorbartigen Helmen und ausgepolsterten Schultern wie Rammböcke auf den wandgroßen Schirmen aufeinander zulaufen, die dann ein unentwirrbares Knäuel bilden, bis sich jemand aufrappelt, das Leder wie einen Goldschatz in seinen Händen birgt und über das Spielfeld zu rennen beginnt als wäre der Leibhaftige hinter ihm her. Doch kommt er selten weit. Er wird von den Gegenspielern, denen alle Mittel nicht nur erlaubt, sondern auch recht zu sein scheinen, richtiggehend gerammt und erbarmungslos zu Fall gebracht: American Football also. Ich gebe zu. Ich kenne die Regeln nicht und verstehe sie nicht, auch wenn sie mir unermüdlich erklärt werden.

Lubbock ist wahrlich not the city I dreamed of: Selbst die Einheimischen hier staunen, dass ich mir als Europäer dieses Reiseziel ausgesucht habe, zeigen aber Verständnis, wenn ich ihnen erkläre, dass es mich eines Freundes wegen hierher verschlagen hat. Bis jetzt habe ich mich redlich bemüht, das Beste draus zu machen. Jetzt aber wird es Zeit, dass ich aufbreche. Ich möchte zum Rio Grande und über den Big Bend hinunter zum Golf. Das sind etliche miles & more, Übernachtungen in Motels, Tankstellen und Imbissstuben wie Taco Bells, Church Chickens (was für ein Name!), Burger Kings und Mc Donalds, die mich in der Hoffnung auf mehr Sehenswürdiges auf dem Weg in den Süden erwarten. Ich habe mir für 18 Tage einen günstigen Mietwagen erstanden und werde von einer digitalen Lady via GPS, das mir Paul geborgt hat, hoffentlich an die gewünschten Ziele geführt. Wenn nicht, übe ich mich in Zen, und es ist der Weg das Ziel. Was ich noch hoffe, ist, dass ich wenigstens ein paar Mal Internetanbindung habe, um euch mitreisen zu lassen. Viel Hoffnung also und eine durch den Aufenthalt in Lubbock auf Überraschungen reduzierte Erwartungshaltung.

1 Comment
  • chb
    Posted at 19:21h, 12 September Antworten

    danke für deine berichte. es ist wirklich interessant wie und was du schreibst. so kann ich doch ein wenig mitreisen und merke auch, dass das gefühl aufkommt – es zahlt sich nicht aus soweit zu reisen, um in eine solche asoziale umgebung zu gelangen.
    da sitz ich lieber mit ein paar freundInnen 10 minuten von zuhause beim heurigen.
    viel spass und hoffentlich findest du noch das „andere“ amerika. das solls ja auch geben:)

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