Ransom Canyon: Sonntag in Lubbock-TX

Sonntag. Der Lärm von der Straße hat erträgliche Dezibel. Fast menschenleer. Entweder sind die Bewohner in einer der unendlich vielen Kirchen, – Gotteshäuser, die nur bei näherem Hinsehen von Wohnhäusern zu unterscheiden sind -, oder sie sitzen vor den Schirmen, da ein Footballmatch angesagt ist. Bis auf die Gebäude in downtown ist alles einstöckig und eingezäunt. Verständlich bei diesen großzügigen Flächen, die für Hausbau oder Trailers zur Verfügung stehen. Es gibt so gut wie keinen öffentlichen Verkehr. Wer   Auto besitzt, scheint hier ziemlich verloren. Zu Fuß kaum möglich Einkäufe zu erledigen. Alles long distance rides on highways. Wenn man weiß wo, gibt es hier alles. Selbst heute am Sonntag haben die großen Ketten offen. 

Nach einem ausgiebigen Frühstück in einem gutbesuchten Taco Bell mit spicy Churriscos a la Tex-Mex Cuisine, erteilt mir Paul eine driving lesson. Nicht nur habe ich nie in Amerika ein Auto selbst gefahren, noch je ein Auto mit Automatik. Außerdem sind ein paar Regeln zu beachten, die sich erheblich von der Straßenverkehrsordnung in Europa unterscheidet. Bei einer ungeregelten Kreuzung gilt zum Beispiel „first come, first drive“, auch bei Rot darf rechts abgebogen werden, wenn man vorher angehalten hat.

Mit Paul und Ramona, seiner „afroamerikanischen“ Freundin (black was beautiful), unternehme ich mit seinem Pick-up das erstemal eine Überlandfahrt zum  Canyon, der wenige Meilen außerhalb der Stadt liegt, und stelle mit vom Leser nicht ernst zu nehmendem Erstaunen fest, dass es also außer Drive-thru’s, Burger Kings und Tankstellen auch noch andere Sehenswürdigkeiten gibt.

Das erstemal sehe ich die legendären cottonfields: Grüne, der Kartoffel ähnliche Stauden bis zum Horizont, die in zwei Wochen, – so hat uns ein Landarbeiter versichert -, zur Ernte bis Mannesgröße hochschießen. Vorbei an Windmühlen, stockyards, (wie ich eben gelernt habe, sind das Farmen mit viel Vieh) und riesigen Produktionsanlagen: Sogenannte cottonmeals, in denen die Baumwolle für die weitere Verarbeitung vorbereitet wird. Einige Meilen weiter gelangen wir zu einem künstlich angelegten See, der am Rande des Canyons architektonisch gewagte Baustile aufweist. Das wohl auffallendste Haus ist ganz aus Metall und Glas und ragt wie ein außerirdisches Raumschiff über den Rand des Canyons hinaus. Ein anderes ist dem Haus einer Schnecke nachempfunden und ebenso verspielt wie es sein Erbauer sein muss. Endlich wieder Futter für die Kamera.

Der kleine Ausritt jedenfalls hat Lust auf mehr gemacht. Weiß aber noch nicht, für welche Route ich mich entscheiden soll. Die Distanzen sind enorm. In N-Südausrichtung 1300 km, in W-Ost 1400 km. Ungefähr Wien – Paris also. Ganz TX kennenlernen zu wollen: unmöglich! Die Golfküste und der Big Bend des Rio Negro, aber auch Städte wie Houston, Dallas oder San Antonio würden mich interessieren. Nicht nur eine Frage der Distanz, sondern auch des Geldbeutels. Will see.

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