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The Texas I dreamed of

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Endlich. Das ist das Texas, das ich gesucht und wie ich es mir vorgestellt habe. Um wieder zu geben, was meine Sinne wahrnehmen, eignet sich nur der Telegrammstil. Die Automatik auf Cruise set: 70 miles on freeways, und vor dir nichts als Straße und Landschaft: West-Texas Route. Die 385iger geradeaus Richtung Süden. Last fronier. Stundenlang nichts als cottonfields, Noname Nester und cowtowns mit nichts als einer Tankstelle, einem ballonartigen Wasserturm, eine Main street, dahinter Trailer, Windräder, Baptist churches, Ranches, Stockyards, Pferde, Longhorn Rinder. Eine Reklametafel zeigt sie untertitelt: „Beef for your plate“. Der Pannenstreifen auf beiden Seiten übersät mit zerfetzten Reifen, manchmal Männer mit texanischen Hüten, Stiefeln und breiten Hüftgürteln in den Schlaufen einer Wrangler, unterwegs in Trucks einheimischer  Marken wie Ford und GM. Hier fast ein Muss.  John Wayne reitet noch immer. Landarbeiter. Viele Mexikaner. Low wage work force.. Die Schilder zweisprachig.  Alles wie im Bilderbuch. Im Auto air condition, eine bottle applejuice, ein paar Kekse und FM auf classic vinyl: Rock and Pop from the seventies and eighties, Sg. Peppers Lonely Heartclub Band, Bob Dylan, Lou Reed, Zappa, Santana…. all day long. Die Füße frei, weil nichts zu schalten, und die Kameras auf Standby, easy shots aus allen Winkeln, weils nur geradeaus geht.

Breitwandpanorama. Durch Seminole land, Namen, die mich an die Abenteuerbücher meiner Jugend erinnern, hinunter zum Big Bend (tolle Karte), dorthin, wo der Rio Grande eine Schleife zieht, und in der Trans Pecos Region die Grenze zu Mexiko bildet. Hier haben die Appachen und Comanchen gesiedelt. Am Wegrand ab und zu historical markers, 1 miles on the left or right, aber nichts zu sehen, rein gar nichts. Zuerst waren es Ölpumpen wie im Marchfeld, aber endlos und verstreut über eine Fläche, die drei Bundesländer in Österreich abdeckt.Jetzt  Halbwüste mit Büffelgras, Kakteen, und immer weider Ölpumpen bis zum Horizont. Cinemascope. Fremd und doch so vertraut die Kulisse. Vielleicht durch die vielen Westernfilme.

Das Navi hat plötzlich die Location verloren und ich brauche eine Stunde, um wieder on route zu sein. Ich weiß nur, dass ich wieder auf den freeway south 385 muss. Meilenweit keine Tankstelle und niemand, den man fragen könnte. Muss ich jetzt nach Westen oder Osten? Der Apfelsaft trotz air-condition gegoren. Es ist heißer als in Lubbock. Ein heißer, trockener Wind. Endlich ein Mann, der das Fenster herunter kurbelt und mich fragt, ob er helfen könne, da ich an einer Kreuzung mit Brille und Karten zugange bin.

Jetzt geht es hinein in den Big Bend Nationalpark (exzellente Beschreibung): die erdgeschichtlich älteste Region des Lone Star State. Was für eine Landschaft. Ich muss die Wüste in Arizona nicht mehr sehen. Die Ausläufer der Rocky Mountains kommen auf mich zu. Das Guadalupe Massiv. Das Ciscos-Gebirge. Canyons, rote Erde, veilchenblauer Himmel, Bergrücken wie mit dem Rasiermesser abgekantet, die Flanken aufgefaltet, und der freeway ein Lineal aus Asphalt teils im Schatten, teils in der Sonne liegend. Tanken. Unbedingt Tanken. Das hat mir Paul ans Herz gelegt. Die nächste Tankstelle kann stundenweit entfernt sein. Ein rotes Licht blinkt auf. Weiß nicht, wie viele Meilen der Huyandi  noch schafft. Noch 120 miles bis zur Panther Junction. Ich habe Glück. Eintritt in den Nationalpark, 20 $, eine Karte, und eine Tankstelle.

Ich finde ein sauberes – und für die Verhältnisse hier – günstiges Motelzimmer, in welchem mir drückende Hitze entgegen schlägt. Die Air-Condition macht einen Höllenlärm. Werde mich umsehen und die Nacht abwarten. Vielleicht kühlt das Zimmer bis dahin ab.Ghostown ganz im letzten Winkel des immens großen Parkes mitten im Nowhere, ein aufgelassener Bergbauort, über dessen Geschichte Adoberuinen Zeugnis ablegen. Eine Bar. Drinnen dumpfe Beleuchtung. Mexican Style. Schnell komme ich mit den Leuten ins Gespräch, schon bin ich eingeladen. Links neben mir ein ehemaliger Modefotograf, Aussteiger aus New York, der hier mit einer Kuh lebt, die auf facebook mehr Freunde hat als er selbst. Die Gegend scheint Aussteiger und Individualisten angezogen zu haben. Rechts von mir Tim, ein Geologe, der gerade aus China kommend seinen Jetlag verarbeitet. Ich teile mit ihm einen Burger. Das Essen strengt die Kaumuskeln nicht an. Man kann es nur mampfen. Der Geologe lädt mich zu sich in seinen Trailer ein. Absolutes Chaos herrscht dort, aber er ist ausgerüstet wie eine Außenstelle des NASA-Zentrums. Computer, ein metergroßer Flatscreen, Kabel, Stecker, Beamer usw. Er hat für BP eine Software entwickelt, die es während des Bohrens möglich macht 3 D Aufnahmen von Gesteinsproben zu erhalten. Jetzt arbeitet er an einem Projekt, das das Welternährungsproblem lösen helfen soll und investiert alles Geld, das er durch die von ihm entwickelte  Software verdient in seine Forschungsarbeit über erneuerbare Energie. Er möchte – soweit ich das verstanden habe – aus einer Mischung von Sonnenenergie und Biochemie mit Algen kleine, sich selbst ernährende Einheiten schaffen. Off-shore Firmen in China zeigen Interesse. Er erklärt und erklärt und zeigt mir ein Video und bringt mir ein Bier und das ist 5 mal stärker als unseres und dunkelbraun und die Luft steht und es ist stickig und ich bin müde. Er ist ein bisschen enttäuscht, dass ich schon gehen will, aber wir haben uns für Morgen verabredet. Er will mir die Spuren von Dinos zeigen, the day the dinosaurus died. Bin schon neugirerig.

1 Comment
  • Ingrid
    Posted at 14:01h, 16 September Antworten

    Helmut, I hope you don`t get lost in the desert.
    Schön, dass es auch dort nette Menschen gibt.

    LG Ingrid

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