Gustav B.: Eine folgenschwere Recherche

  1. April

Die vorrätige Zeit, die ich einmal nicht mehr sinnsuchend verbringen zu müssen gedachte, blieb ungenutzt. Wie ein Schnellzug in der Nacht rast sie dahin, um mich an meinen Bestimmungsort zu bringen. Vorbei an Bahnhöfen, wo mich diensthabende Stellwerkleiter durchwinken, in deren Träume ich mich einschleichen will, um teilzuhaben an ihrer Welt. Schatten sind es, die mir den Rücken zukehren und nie mir ihr Gesicht zeigen. Gesichter, die von bleierner Müdigkeit gezeichnet sind, hätte ich sie sehen können. Die einzigen Lebewesen, die um diese Zeit noch wach sind und meine Schlaflosigkeit mit mir teilen, wie trockenes Brot; ausgestreut, den Weg wieder zu finden, den Weg zurück, ohne zu bedenken, dass diese Krumen Beute von Vögeln sein werden, kaum, dass ein neuer Tag beginnt. Kein Traum würde mir bleiben. Kein einziger. Nicht einmal ein Bild. Nur eine Stimmung, zu der Bilder gedacht werden konnten, um aus ihnen einen Traum zu schmieden, der auch am nächsten Morgen noch da sein würde. Immer. Und stets der gleiche, denn ich höre ihn schon wieder, den beinahe lautlosen Schlag ihrer Flügel, aber kann sie nicht sehen.

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