In Cusco

Ich schaue ueber die Daecher auf die Gebirgsketten der Anden, die in der Daemmerung alle nur denkbaren Brauntoene zeigen, um sich dann erdfarben schwarz fast in der Ferne verlieren. Schon sieht man den Mond, der so gross ist, als haette ich ihn mit meiner Digitalkamera herangezoomt.

In Cusco angekommen, hat mich meine Schwaegerin vom Flughafen abgeholt. Nachdem ich schon um drei Uhr in Lima aufgebrochen und ohnehin noch im Jetlag war, verstand sie es nur zu gut, dass ich mich erst einmal von den Strapazen ausruhen musste.

Es bleiben mir ja nur 24 Stunden mich den neuen Gegebenheiten, d.h. der Hoehe von 3400 anzupassen. Unmoeglich aber an Schlaf zu denken, also liess ich mich von Rosanna, einer Peruanerin, die seit 30 Jahren mit meinem Bruder verheiratet ist (so etwas soll es ja noch geben), in die Stadt entfuehren, die ich vor eben so langer Zeit auf meiner ersten Suedamerikareise kennen gelernt hatte. Vor den Taxis gewarnt, die Fujimori aus Korea importieren liess und dort ausschliesslich fuer Fahrten auf Industriegelaenden konstruiert und gebaut worden sind, war ich froh, nicht auf diese fahrenden Schleudersitze angewiesen zu sein. Beinahe jeder Crash hat hier naemlich Todesfolgen, weil sie zusammen brechen, als waeren sie aus Karton. In Lima sieht man sie nur noch selten. Um sie dort los zu werden, wurden sie an Leute in den Andenstaedten verscherbelt, die dort als Taxifahrer ihr Auskommen finden wollen.

Das Zentrum von Cusco, dem ehemaligen „Nabel der Welt“, wie die Stadt unter der Herrschaft der Inkas im Tiwantinsuyu, dem Reich der vier Himmelsrichtungen genannt wurde, hat sich kaum veraendert. Es ist ein Tag mit einem strahlendblauen Himmel wie im Bilderbuch und ich kann – abgesichert durch meine Schwaegerin – mein Stativ aufbauen und in aller Seelenruhe einen Schwenk ueber die plaza de armas machen, einem geschichtstraechtigen Ort, wo der Palast der Inkaherrscher stand mit dem Garten, dessen Baeume und Voegel und friedlich grasenden Lamas aus purem Gold nachempfunden waren. Hier zog auf hohem Ross Franzisco Pizarro, der Eroberer des Inkareiches ein, nachdem er Atahualpa entgegen seinem Versprechen mit der Garotte erwuergen hat lassen.

Die Spuren des ehemaligen Imperiums sind aber trotz der nachhaltigen und beinahe totalen Zerstoerung durch die Conquistadoren an vielen Stellen noch sichtbar. Vor allem die fugenlose Verarbeitung der Basaltsteine, die von einem Steinbruch ueber 50 km weit nach Cusco auf rollenden Baumstaemmen herangeschafft worden sind – das Rad kannten die Inkas nicht – sind immer wieder ein Motiv fuer die Touristen, von denen die Stadt zu leben scheint.

Nachdem wir Schuhe gefunden haben, um fuer den morgigen Tag geruestet zu sein, wurde ich von einer Muedigkeit uebermannt, wie sie mir noch selten unterkam. Ziemlich froh ueber die Thermounterwaesche, die ich mir geleistet habe, verkroch ich mich unter 4 Decken und fiel in einen traumlosen Tiefschlaf, bis mich der Jetlag einholte und an einer Fortsetzung desselben nicht mehr zu denken war.

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