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Lima

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Nach erfolgloser Suche nach Umlauten, die es mir erlauben so zu schreiben, dass mein Blog auch weiterhin gelesen werden kann, frage ich mich, ob es viel Sinn macht an ihm weiter zu arbeiten. Die Computer hier brauchen eine Ewigkeit, um Fotos auf Webgroesse herunterzupixeln. Wie man in einem Internetcafe die Tastatur umstellt, weiss ich auch nicht. Rucksack und Kameratasche zwischen den Fuessen sitze ich in einem fensterlosen Lokal und versuche die Fotos von der Kamera auf den Stick zu laden, um sie von dort in den Blog zu importieren. Zuerst aber muessen die Fotos herunter gepixelt werden. Man moege mir also veryeihen, wenn ich mich tagelang nicht ruehre. Aha : z ist ein y und y ist ein z.

Kaum drei Tage unterwegs und ich habe jedes Zeitgefuehl verloren.  Nachdem ich heute morgen um drei Uhr zum Flughafen gefahren bin und mir ohnehin schon 7 Stunden gefehlt haben, wird es wohl etliche Tage brauchen, bis meine innere Uhr sich umgestellt hat. Dazu kommt, dass Cusco auf 3400 m liegt und ich morgen schon wieder aufbrechen muss, um an das erste Ziel meiner Reise zu gelangen: Macusani-Corani. Aber alles der Reihe nach.

 

Ich bin froh mich nicht mehr in Lima aufhalten zu muessen. Dieser durch Smog verursachte ewiggraue Himmel wuerde mich neben dem Umstand, dass ich niemanden traf, der mich nicht davor gewarnt haette, jederzeit sowohl im Taxi als auch auf der Strasse ueberfallen werden zu koennen, fuerchterlich verunsichern. Niemand scheint zufrieden mit der derzeitigen Regierung – und es waren nicht nur Taxifahrer, zu deren Zweitberuf es zu gehoeren scheint, die Passagiere  wo immer auf der Welt ueber die herrschenden Zustaende aufzuklaeren. Wer aber mit umgerechnet 150 Dollar im Monat auskommen muss und dafuer – Sonntag ausgenommen – 10 Stunden taegich arbeitet, hat allen Grund sich zu beklagen. Auch hier galoppiert die Inflation. Die Benzin- und Lebensmittelpreise explodieren auch hier. Aber es trifft wie ueberall die Armen am meisten. Die Regierung sei eine „vendepatria“, eine, die den Ausverkauf des Landes vorantreibe, ohne auf Menschen und Umwelt Ruecksicht zu nehmen. Die Schulden wuerden nicht weniger.
Oesterreich und Peru seien Geschwister. Unsere Fahnen unterscheiden sich nur, indem die eine quer- und die andre laengstgestreift sei.

Meine Nichte Zunilda, die in Lima Zoologie studiert, hat es sich nicht nehmen lassen, mich vom Aeropuerto abzuholen. Sie wohnt in einem Viertel, das vom Zentrum fast ebensoweit entfernt ist wie der Flughafen. Ueberhaupt sind die Distanzen, die taeglich hier zur Arbeit zurueckgelegt werden muessen, so, als wuerden wir von Wien nach St.Poelten fahren muessen oder zur rushhour weiter bis nach Linz und wieder zurueck. Die Stadt hat gerade soviel Einwohner wie Oesterreich.  Pendlerpauschale? Was ist das? Nur um ein Interview zu realisieren war ich mehr als einen halben Tag unterwegs, aber ich liess es mir nicht nehmen, auch einmal ins Zentrum zu fahren und einen Bus auf den Cerro San Cristobal zu nehmen, von dem aus mir ein Panoramablick ueber ganz Lima versprochen war. Oben angekommen war nichts zu sehen ausser einer schwer ueber diesem Monster von Stadt haengenden Smogwolke. Nein: Lima ist keine Reise wert. .

Aber ich habe meine mir gesteckten Ziele erreicht und bis auf den Minister alle Interviews im Kasten.
Das erste Interview habe ich mit dem Archeologen, Arturo Luiz Estrada, der Universitaet von San Marcos gefuehrt. Er hat auf der Strasse auf mich gewartet, weil ich ohne ihn gar nicht in das bewachte Viertel gekommen waere. Da ich so damit beschaeftigt war, alles richtig zu machen und schon die naechste Frage vorzubereiten, werde ich erst beim Editieren des Materials wirklich wissen, was er gesagt hat.

Dasselbe galt fuer den Vorstand von Conacami, Miguel Palacios, der sehr ungeduldig wurde, weil ploetzlich der Ton ausgefallen war. Seine Organisation kaempft an vorderster Front gegen die mining companies und nimmt die Interessen der von den Berbauunternehmen betroffenen Gemeinden wahr. Die peruanische Regierung kriminalisiert Conacami und deckt ihn aus diesem Grund mit Prozessen ein. Zum Abschied drueckte er mir ein Buch in die Hand, das wahrscheinlich all das Wissenswerte ueber Conacami enthaelt, was er bemueht war, mir zu sagen.

Eine ganz andere Erfahrung durfte ich mit Leon Arnaldo, Boss von Solex Resources machen. Er wohnt in einem mit elektrisch geladenem Stacheldraht abgezaeunten Viertel hinter einer meterhohen Wand in einer Villa mit Swimmingpool. Stolz zeigt er mir die Sicherheitsanlagen und fuehrt mich in sein Buero. Dort steht ein Monitor auf dem Schreibtisch, der mit eingestelltem Googleearth dreidimensional die von seiner Firma abgesteckten Claims zeigt. Eine Bedienung bringt Cola und Kuchen. Er freut sich ueber meinen Besuch. Es scheint ihm ein grosses Anliegen, die Aktivitaeten von Solexresources in ein gutes Licht zu ruecken.

Er muss mich entweder fuer einen Idioten gehalten haben oder fuer absolut naiv, da er mich allen Ernstes und mit grosser Emphase davon ueberzeugen wollte, dass kein Stein, auf dem ein Felsbild gefunden worden sei, angeruehrt wuerde, Bergbauunternehmen nur das Wohl der Bevoelkerung im Sinne haetten, sie fast die Haelfte ihrer Gewinne an die Regierung abfuehrten und darueber hinaus auch noch freiwillige Spenden leisteten, von denen niemand etwas erfahre. Ausserdem wuerde nichts kontaminiert werden. Es handele sich um eine ganz natuerliche Strahlung. Die Bewohner dort wuerden sogar ihre Haeuser aus dem uranhaltigen Gestein bauen. Die Landschaft wuerde keinesfalls in Mitleidenschaft gezogen werden, im Gegenteil, wenn sie die in die Erde getriebenen Schaechte schliessen, sei sie noch schoener als vorher. Wenn ich ihn mit den harten Fakten konfrontiert und ihn mit den vorbereitetetn Fragen provoziert haette, waere das Interview sicher anders verlaufen. Er war aeusserst freundlich und begruesste die Gelegenheit, endlich all die Missverstaendnisse ausraeumen zu koennen, die ihnen als Mineros das Leben erschweren. Er bot mir sogar seine Unterkunft in Macusani an. Nicht nur das: Ich koennte auch eines der Autos benutzen, um die Gegend kennen zu lernen. Darueber hinaus koennte ich mich sicher fuehlen, da die Leute, die in seinem Buero arbeiten, in der Bevoelkerung verankert und geschaetzt seien. Ich habe gewusst, dass ich zwischen die Fronten geraten wuerde.

Vielleicht kann ich als Journalist das Recht fuer mich in Anspruch nehmen, mich auf keine der Seiten schlagen zu muessen.

1 Comment
  • Paul
    Posted at 09:37h, 13 September Antworten

    Lieber Helmut, bin froh, daß Du gut angekommen bist!
    Das Auto wenigstens hättest Du nehmen können, oder?
    Mach`s gut!

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