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Valdivia- Puerto Montt – Castro und zurueck

Das war nicht mein Tag heute. Zuerst rinnt meine Colaflasche in den Nylonsack, in welchem ich meine Jacken und Pullover verstaut habe, dann muss ich feststellen, dass ich das USB-Kabel in einem Laptop der Wohngemeinschaft stecken liess, also keine Fotos mehr uebertragen kann, ausser ich kaufe mir einen suendteuren Kartenleser. Dazu kommt, dass – waehrend ich am Schreiben war – das Netz auf der Insel zusammen gebrochen ist. Darueber wurde ich aber erst aufgeklaert, als ich schon fertig war und den Bericht veroeffentlichen wollte. Also das ganze noch einmal. Mitternacht suche ich das Hotel auf, wo ich mich nach soviel Unbill mit einem Zimmer mit vista al mar verwoehne und lass mich das was kosten. Da ich mich reisend fast ausschliesslich von Keksen und Cola ernaehre, leiste ich mir das. Endlich einmal ein geheiztes Zimmer und Warmwasser. Ich schaue auf den im Mondlicht glietzernden Fjord und freue mich auf das Bad, als ich mit Entsetzen feststelle, dass ich meinen Memorystick im Internetcafe gelassen habe. Ich renne also zurueck, aber es hat schon geschlossen. Hoffentlich ist er morgen noch da. Alle meine Fotos sind auf dem Stick. Besser gar nicht erst dran denken, sonst finde ich keinen Schlaf.

12 Stunden vorher:

Ich bin uebernachtig, aber froh, dass mich Reni geweckt und zum Terminal gebracht hat. Nach einer Fahrt von ungefaehr acht Stunden, vorbei an Puerto Montt und mit einer Faehre auf die Insel Chiloe, bin ich gut in Castro angekommen.

 

Auf dem Weg fallen mir immer wieder die Augen zu. Ich muss mich wirklich anstrengen wach zu bleiben. Was mir in die Augen sticht, ist das giftige Gelb der Espinas, die das Land fest im Griff zu haben scheinen. Mein Sitznachbar bestaetigt mir, dass sie eine Plage sind und sich ueber ihre Samen durch den Wind immer weiter auf der Insel verbreiten.

Eukalyptuswaelder, gruene Wiesen, huegelig. Kuehe und Schafe. „Wie im Voralpenland“, denke ich, „waeren nicht die Fjorde und in der Ferne die Kette der Andenvulkane.“ Die Insel ist ihr Vorposten. Viele Saegewerke, Lachszucht, Landwirtschaft und – Tourismus. Aber es ist Fruehling und kein Gringo weit und breit. Kurz vor Castro buntbemalte Haeuser auf Pfaehlen. Der Terminal de los buses gleich neben der Holzkirche, mit der auf allen Prospekten geworben wird.

Umherstreifend suche ich einen Frisoer. Fuer diesen scheint es nahezu eine Zumutung zu sein, mir die Haare zu waschen. Er fuehrt mich in ein fensterloses Hinterzimmer, das wie bei einem Zahnarzt eingerichtet ist. Ich sitze auf 4 Kissen und mir rinnt das nicht einmal lauwarme Wasser den Ruecken hinunter. Als ich protestieren will, zwingt er meinen Kopf in die Muschel, als wuerde er mich ersaeufen wollen. Ich breche das Prozedere ab, bezahle und taumle mit nassen Haaren ins Freie hinaus. Wie ich ausgeschaut haette, wenn ich ihm erlaubt haette, mir die Haare zu schneiden, moechte ich gar nicht wissen. Eigentlich will ich bis ans Ende der Insel nach Quillin. Dort – so behaupten die Leute, mit denen ich mich auf der Faehre unterhalten habe – gaebe es Boote, die nach Punta Arenas fahren. Haette ich nicht zufaellig bei der Touristinformation vorbeigeschaut und gefragt, haette ich nicht erfahren, dass es in Quillin schon lange keine Schiffe mehr gibt, die dorthin aufbrechen. so erspare ich mir 5 Stunden hin und wieder zurueck. Ich bin ziemlich frueh wach. Frueh fuer die Verhaeltnisse hier, denn hier oeffnen die Geschaefte erst um 9 Uhr. So habe ich eine schoene, durch keine parkenden Autos verstellte Sicht auf die Kirche.

Leider ist auch sie noch zu. Auch hier ist alles mit Plakaten zugepflastert, auf denen nicht mehr als Gesichter zu sehen sind, die sich bemuehen so vertrauensvoll wie moeglich zu erscheinen. Die Parolen? Austauschbar: „Ich bin auf deiner Seite!“ „Fuer ein schoeneres Castro!“ „Zusammen erreichen wir alles!“

Um 10 geht mein Bus zurueck nach Puerto Montt. Der Memorystick steckt noch im Computer. Was fuer eine Erleichterung. Ich haette 4 Giga an Fotos verloren. Auf dem Weg zurueck nach Puerto Montt ist meine Sitznachbarin eine junge Frau, die von einer der Inseln kommt und sich in Puerto Montt zur Krankenschwester ausbilden laesst. Das Studium wird vom Staat vorfinanziert und dauert hier 5 Jahre. Sie telefoniert mit ihrem Vater, der Fischer ist und sich mit den Fahrplaenen der ablegenden Schiffe auskennt. Ein Schiff nach Punta Arenas geht erst am Montag und kostet 210.000 Pesos, wenn seine Informationen stimmen. Ohne es ueberpruefen zu wollen, beschliesse ich den Bus zu nehmen und die Reise morgen fortzusetzen. Sie wird ueber meinen Blog Kontakt mit mir aufnehmen, zeigt mir noch, wo es Hostales mit Meerblick gibt, wartet, bis ich ein Zimmer gefunden habe und wuenscht mir eine gute Weiterfahrt. Ich wette meinen Rucksack mit Inhalt (Socken in Nylonsaecken, die ich besser nicht oeffne), dass am Westbahnhof niemand so in die Stadt eingefuehrt wird, wie ich das hier fast ueberall erlebe.
In Pto. Montt finde ich eine Unterkunft nahe am Terminal mit Blick auf das Meer und den am Kai ausgestellten Lokomotiven aus der Zeit, in der die Hafenstadt auch die Endstation fuer die Zuege war, die aus dem weit entfernten Norden kamen.

Da es noch frueh am Nachmittag ist, beschliesse ich nach Puerto Varas zu fahren, das nur 20 km entfernt ist und in einer wunderschoenen Bucht mit Blick auf die beiden ueber Puerto Montt im Ruecken wachenden Vulkane Osorno und Calbuco liegt.

Aus der Ferne schaut der Osorno, auf dem man Schifahren kann, wie ein Zuckerhut aus. Puerto Varas haelt, was es verspricht. Seine herrliche Lage erklaert, warum es wie Pucon ein touristisches Zentrum der zehnten Region de los lagos ist. Von den 15 Regionen naemlich habe ich 10 schon bald durchquert.

Auch hier haben sich viele Deutsche nieder gelassen, die 1850 mit den ersten Schiffen in Puerto Montt angekommen sind. Davon zeugen auch Namen wie Schick, Kruger oder Berger, die sich hier fuer das Amt des Buergermeisters bewerben. Ein gut gepolsterter Junge badet im Wasser.

Ich finde ein Lokal mit Terrasse und Blick ueber die Bucht auf die beiden Vulkane, genehmige mir einen Caipirinhia und bin einfach nur happy. Morgen weiter nach Punta Arenas. 45 Stunden im Bus.

2 Comments
  • Eduardo
    Posted at 20:16h, 23 Januar Antworten

    No entiendo nada de lo escrito por „Don Helmut“, pero las fotografías están muy buenas…

  • Margit
    Posted at 07:02h, 16 November Antworten

    Hallo Helmut,
    ich mache mich kommenden Samstag auf den Weg nach Chile und habe dort 3 Wochen Zeit, von Süden nach Norden zu reisen. Mir fehlt noch eine Unterkunft in Puerto Montt. Kannst Du Deine Unterkunft empfehlen? Könntest Du mir bitte die Adresse geben?
    Vielen Dank!
    Grüße aus dem kalten Deutschland
    Margit

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