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Busfahrt durch Patagonien

Nach den Erfahrungen mit meinem ueber 40 stuendigen Andenritt von La Paz nach Santiago in einem semi-cama, leiste ich mir diesmal einen semi-cama de luxe, der nur 5000 Pesos teurer ist, dafuer aber fast eine horizontale Liegestellung ermoeglicht, waere ich nicht so gross wie ich bin. Ich teile den ersten Stock mit zwei Zimmerleuten aus Pto.Montt, die in Punta Arenas auf dem Bau arbeiten wollen und mit 4 etwas betagteren Damen, von denen eine 9o Jahre zaehlt und aelter als meine Mutter ist. Haette mein Sitznachbar nicht so fuerchterlich nach Knoblauch gestunken und haette das Handy meines Reisebegleiters mit dem rhythmisierten Gackern einer Henne als Rufton meinen versuchten Schlaf nicht immer wieder unterbrochen, waere es eine im Grossen und Ganzen, – wenn man von der oeden Pampa absieht, die den Begriff von Endlosigkeit neu definieren will -, eine angenehme Reise geworden.

Am Anfang war die Landschaft noch abwechslungsreich. An manchen Orten dort oben – nachdem wir den Pass der weissen Kordilliere, die ihren Namen zu recht verdient -, hinter uns gelassen haben, waere ich am liebsten ausgestiegen. Waldumsaeumte Seen mit dem Blick auf erloschene Vulkane, die sich in der Abendsonne baden.

Blockhuetten aus denen heimeliger Rauch aufsteigt. Dann wieder Waelder und Seen und weit und breit kein Mensch, kein Haus. Niemand. Leider geht die Sonne unter. Nachdem die Grenzangelegenheit erledigt war, noch ein Film – diesmal erlaubten Kopfhoerer die Wahl, ob man mithoeren will oder nicht und ich nahm die Gelegenheit wahr, der erzaehlten Geschichte nur in Bildern zu folgen – endlich der erloesende Schlaf. Ein Blick auf die digitale Rollschrift genuegt, um sich ueber die von einem Computer aufgezeichnete Geschwindigkeit von 99 km, die bis jetzt noch von keinem Lenker ueberschritten wurde, zu informieren. Nebenbei erfaehrt man den Namen des Lenkers, der sich alle 5 Stunden von seinem Kollegen abloesen lassen muss. Auch die Aussentemperatur wird gemessen. Was fehlt ist Uhrzeit, Datum und Jahr. Nein: Ohne Scherz. Seit der Einfuehrung dieses von Satelitten ueberwachten Systems ging die Zahl der durch Uebermuedung und ueberhoehter Geschwindigkeit verursachten Unfaelle drastisch zurueck. Da waere doch mal was zu kopieren.

Am fruehen Morgen, als die Sonne durch die gelben Vorhaenge dringt und wir ruede geweckt werden, um eines dieser sogenannten Lunchpakete in Empfang zu nehmen, die einen warmen Saft und Kekse enthalten, deren Anblick allein schon bei mir einen Magenkrampf ausloesen. Die Zimmerleute sind sehr gespraechig. Ich weiss nicht nur, wie ihre Kinder und Ehefrauen heissen, ich lerne ueber die Fotos, die sie mitfuehren auch noch deren Schwager und Schwippschwiegereltern kennen.  Auch die argentinischen Damen sind gut aufgelegt und machen Witze, die von den anderen mit kreischendem Lachen quittiert, doch von mir leider auf Anhieb nicht verstanden werden. Also noch einmal, bis auch ich mir ein Lachen abringen lasse oder mir die Muskeln vom simulierten Lachen weh tun, weil ich noch immer nicht verstanden habe.

Die Landschaft ist so eintoenig, so trostlos eintoenig und oed und immer gleich, dass man in Trance faellt und nach 15 Stunden das Gefuehl hat, sich fortbewegend auf der Stelle zu treten oder im Kreis zu fahren.
2000 km geht es kerzengrade dahin, manchmal loest ein Streifen Wueste oder Geroell von erloschenen Vulkanen die Pampa Patagoniens ab. Schafe und Kuehe wie verloren auf dieser weiten Ebene, die von sich zurueckziehenden Gletschern der letzten Eiszeit geformt worden war. Oelpumpen wie im Mrchfeld. Raffinerien. Dazwischen nichts. Stundenlang nichts als buescheliges Gras. Eine immense Flaeche glattgehobelt wie ein Tisch.

Endlich. Der Atlantik. Die Panamericana fuehrt an ihm entlang. Wieder vergehen Stunden um Stunden und es wird abend und Nacht und wir sind noch immer nicht angekommen. Jetzt sind wir schon 48 Stunden unterwegs. Der Bus hat Verspaetung. Die Passagiere beschweren sich, weil sie keinen Anschluss nach Pto.Natales mehr haben.

Endlich in Punta Arenas. Es ist Mitternacht. Kein Taxi. Kein Mensch auf der Strasse. Hoffentlich stimmt die Adresse, die mir die Damen gegeben haben. 4 Strassen hinunter Richtung Meer und dann rechts. Eine Hospedaje. Tatsaechlich. Ich hab genug von Busfahrten ueber 10 Stunden. Es reicht.

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