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Santiago de Chile: Impressionen

In Santiago wohnen 40% der Gesamtbevoelkerung Chiles, d.h. 6 Miilionen und sie hoert wie alle anderen Metropolen in Lateinamerika nicht auf zu wachsen. 50% der Industrie sind hier angesiedelt und 75% der Dienstleistungen  werden in Santiago verrichtet.  Als ich 1979 nach Santiago kam, waren es noch drei Millionen und die Peripherie nach der Liberalisierung der Maerkte durch die Militaerdiktatur spekulatives Bauland fuer die Mittelschicht. Nach Zunahme der Landflucht platzt die Hauptstadt am Rande eines Kollaps aus allen Naehten. Der Rest des Landes bleibt duenn besiedelt und verharrt bis auf einige Regionen paralysiert auf dem Niveau von sogenannten Dritteweltlaendern.

Nein: Ich will keinen politischen Artikel schreiben. Dazu kenne ich die Verhaeltnisse zu wenig. Heute Morgen wie alle Tage warnt der Wetterbericht vor der intensiven UV-Strahlung. Es gibt eine Skala bis 15. Wenn Alarm gegeben wird, sollten sich Menschen mit weisser Hautfarbe nicht laenger als 8 – 15 Minuten wegen Haukrebsgefahr der Strahlung aussetzen. Das durch die CO2 Emmissionen und industriellen Abgase verursachte Ozonloch ueber Chile und der Antarktis ist mittlerweile so gross wie die USA. Ich schuetze mich also mit einer Sonnencreme Faktor 30 und sollte eigentlich den ganzen Tag wenig Haut der Sonne preisgeben, was schwer faellt, da der Fruehling begonnen hat und es immer waermer wird. Im Schatten aber friere ich. Mit Sonnenschutzfaktor und Pullmankappe mache ich mich auf den Weg ins Zentrum. Die Wohnung von Ema, wo ich derzeit untergebracht bin, liegt so guenstig, dass ich zu Fuss dorthin aufbrechen kann.

Natuerlich will ich hinauf zum Cerro Santa Lucia, wo 1541vom Eroberer Chiles, Pedro de Valdivia, die Stadt Santiago begruendet wurde.

Dort oben gruesst mich Lautaro, der araukanische Held, der seine Maenner gegen die Invasoren siegreich angefuehrt hat. Auch den Inkas ist es nicht gelungen, Araukania, das ehemalige Reich der Mapuche, das weiter suedlich von Valparaiso beginnt, zu befrieden. Bis heute halten diese Konflikte an und die Mapuche, die wie die meisten Minderheiten nicht nur um den Erhalt ihrer Sprache und Kultur, sondern vor allem um Grund und Boden kaempfen, den sie seit Jahrhunderten gemeinschaftlich bebauten, sind bis heute einer starken Repression ausgesetzt.  
Auf dem Cerro Santa Lucía, der im 19.Jhdt nach der Schleifung der Schutzbatterien, die 1820 waehrend der Reconquista, errichtet worden waren, in eine parkaehnliche Landschaft verwandelt wurde, steht ein 2 Meter hohes Steindenkmal von Pedro de Valdivia mit der Abschrift des Briefes, den er dem Kaiser Karl V am 4. September 1545  geschickt hatte. In diesem Brief wird von ihm die wunderschöne Landschaft des neu eroberten Landes beschrieben. Natuerlich sitzt auch auf seinem Kopf eine Taube.

Auch der Moneda, dem Praesidentenpalast und Schauplatz des blutigen Militaerputsches vom 3. September 1973 gegen Salvador Allende durch den Diktator Augusto Pinochet, will ich einen Besuch abstatten. Sie praesentiert sich frisch gestrichen in neuem Glanz. Ich erinnere mich noch an die sichtbaren Einschussloecher.
Auffallend viele Bauchladenverkaeufer und Bettler in den Strassen. Schaufenster wie in den Metropolen Europas. die Waren aber unerschwinglich fuer den Grossteil der Bevoelkerung, die mit 180 $ im Schnitt ihr Auskommen suchen muss.

Morgen wird mir Ema ihre Stadt zeigen.

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