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Von einem Wat zum nächsten

Reisen ist einfach in Thailand. Es gibt ein gut ausgebautes Netz von Straßen und befahrbaren Flüssen, die dich in die entlegendsten Winkel des Landes, aber auch zu den Grenzübergängen nach Burma, Laos, Kambodscha oder Malaysia führen. Da mir nicht viel Zeit bleibt und ich den Norden des Landes später erkunden will, zieht es mich an die Küste im Südosten, um von dort aus nach Kambodscha zu gelangen, um Angkor Wat als krönenden Abschluss meiner Reise zu besichtigen.

Hier sind nur noch selten „Farangs „unterwegs, wie die aus dem Westen kommenden Ausländer heißen, die ihre Urlaube fast ausschließlich in Pukhet oder Pattaya verbringen.  An der Küste unweit von Chantaburi gibt es einfache und luxuriöse Anlagen, die  vornehmlich von Einheimischen gebucht werden.

Von hier aus wage ich mich mit einem gemieteten Motorrad weit ins Hinterland, besuche den Nationalpark, erfrische mich fischumschwärmt im glasklaren Wasser natürlicher Becken, Badefreuden, die ich mit vielen Einheimischen teile, die mich bereitwillig fotografieren und mir sogar ein bohnenartiges Gemüse zum Füttern der Fische in die Hand drücken, ohne mir zu sagen, dass diese auch zubeißen können, was kreischendes Lachen auslöst. 

Auf meinen Wegen die Küstenstraßen entlang entdecke ich ein Wat nach dem anderen. Das schönste und beschaulichste Kloster, das mich in seiner Stille zur Einkehr einlädt, finde ich gänzlich unvorbereitet auf der Straße nach Chantaburi.

Hier tauche ich in eine Welt einer mir nicht vertrauten Bildersprache, bewundere die gegen Himmelsgeister schützenden Vögel und Schlangen auf den Dachfirsten, die kriegerisch anmutenden Fresken auf  Türen von Buddhaschreinen, streife vollkommen ungestört in den mit roten Lampions ausgehängten Gängen herum, besuche die prunkhafte Ordinationshalle, schaue in die Salas hinein, in denen Pilger und Mönche nächtigen oder ihre Gespräche führen, ein Ort wie verzaubert in versiegelter Zeit.

In kleinen Fischerdörfern besuche ich die Freiluftmärkte und lasse mich von den Farben und Gerüchen mir unbekannter Gerichte locken, oder hast du vielleicht  schon einmal gestocktes Entenblut – in feine Scheiben geschnitten und in unterschiedlichste Saucen und Pasten getaucht – versucht? „Aroj maj?“, fragt man mich. „Aroj mak mak“. Es schmeckt ausgezeichnet.  Wenig Wortschatz genügt, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Den nicht übersetzbaren Rest erledigt Körpersprache.

 

 

 

An einem anderen Ort der langen Küste, die an die Grenze zu Kombodscha führt. schaue ich den Frauen zu, die geräucherte Sardinen auslegen. Sie arbeiten 12 Stunden nur durch über den Kopf drappierte Tücher vor der Sonnenglut geschützt und das für 1500 Bhat im Monat, was einem Gegenwert von ungefähr 30 € entspricht. Fischfang und Reisanbau. 

 

 

 

Es braucht nicht viel Fantasie, sich vorzustellen, wie labil und gefährdet hier das ökonomische Gleichgewicht ist, und welche Folgen kontaminierte , durch industriell betriebenem Fischfang leergefischte Gewässer, oder ausbleibender Monsunregen für die Küstenbevölkerung haben könnte.

 

 

 

Zurück zu den Garküchen und kulinarischen Genüssen, die trotz Urbanisierung und Migration große lokale Unterschiede aufweisen. Gemüse gibt es meist als Rohkost und nur selten zubereitet. Dafür gibt es aus verschiedensten Kräutern, Blättern und Früchten angerichtete Gewürze und Chilisoßen, die zum Hauptgericht in kleinen Schälchen serviert werden, und unterschiedlichste, meist scharfe Aromen auf den Gaumen zaubern. Die Garküchen sind oft auf ein einziges Menü beschränkt, vor allem Nudelsuppen mit Einlagen, wie ich sie auch aus dem Andenhochland kenne.

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