Odyssee

Woher bin ich gekommen?
Das fragte einst ein Kind
Die Mutter wollt’s nicht sagen
Sie sagte: Frag den Wind

Als das kind zum wind kam
Es wusste, wo er wohnt
Fauchte dieser wütend
Weiß auch nicht. Frag den Mond!

Da schaut das Kind den Mond an
Und schaut ihm ins Gesicht
Da lacht der Mond ganz leise
Und tut, als wüsst’ er’s nicht

Da wird das Kind ganz traurig
Und weint die ganze Nacht
Es hatt’ nur eine Frage
Und wurd’ nur ausgelacht

Doch mit der ersten Sonne
Jetzt schon ein junger Mann
Macht er sich auf den Weg
Und fragt: Wann komm ich an?

So ging er viele Jahre
Bis er ganz müde war
Dann ging er vor den Spiegel
Mit seinem weißen haar

Woher ich einst gekommen
Wohin ich immer kam
Niemand gab mir antwort
Jetzt bin ich taub und lahm

Da sprach der Spiegel zu ihm
Es kann nicht Antwort geben
Nicht Mutter, Mond noch Wind
Wir leben, weil wir leben
Komm geh und frag ein Kind

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1 Comment
  • Ingrid
    Posted at 16:01h, 29 April Antworten

    sehr berührend und feinfühlig – geht mir ans herz

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