Ahnenkult: Ein Hörbild

Foto, Gedicht, Helmut Hostnig 2010

Flammen schlagen aus der Harfe

nackte Füße stampfen Lehm

um den Boden zu verlieren

tanzen vor dem König

dem

der dem Tod die Schwester zeugte

und die Königin gebar

nach der ein Leben lang sich sehnte,

er, der ihr kein Bruder war.

Vor diesem nun auf allen Vieren

tanzen sie, um ihn zu ehren

Wehren kann sich keiner

nur die Sonne kümmerts nicht.

Soll doch sie die Saiten zupfen …

Bevor der Tag zu Ende geht

Nacht ist und wo wohnst du

und in welcher Zeit ist es zu spät?

Und sie sinken auf den Boden,

um die Sterne dort zu pflücken,

wo des Königs Frau: die Mutter,

wo die Hoffnung sie gesät.

Ach, was sind sie doch für Narren.

Wer die Schellenkappe trägt,

ist gerade dieser König,

vor dem sie sich im Staube bücken

den karren ziehen aus dem dreck

wer befahl dass sie das müssen?

Sieht der Same keine Saat?

Warum ziehen sie nicht weg?

Wessen Erben sind sie,

die im Sterben noch die Füße dessen küssen,

der sie trat?

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2 Comments
  • Ingrid
    Posted at 09:52h, 15 August Antworten

    Sehr poetisch, sehr stark.

  • Erny
    Posted at 18:46h, 14 August Antworten

    Hallo Helmut,
    Für mich sehr vielsagend und stark, ahne ich vieles hinter den zeilen.
    J’attends avec impatience ton recueil de poèmes,
    salutations,
    ERNY

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