Besuch eines Gurdwaras

Heute hat mich die Schwiegermutter von Judpreeth in das Gotteshaus der Sikhs, in ein Gurdwara eingeladen. Solche gibt es auch in Wien. Nie aber wäre es mir eingefallen, so ein Haus zu betreten, auch wenn es für alle offen ist. Das symbolisieren auch die offenen und in die 4 Himmelsrichtungen gebauten Pforten des Tempesl von Amritsar im Punjab Nordindiens, das größte Heiligtum aller 50 Millionen Sikhs weltweit. Aber ohne die Verhaltensregeln zu kennen, hätte ich mich dort nie hinein gewagt. Zum Glück hatte ich Judpreeth an meiner Seite, die mich auf dem Weg zum Gurdwara mit den wichtigsten vertraut machte.

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Eigentlich keine große Sache. Man zieht die Schuhe aus, wäscht seine Hände, bindet sich ein oranges oder rotes Kopftuch über die Haare, begibt sich in den Gebetsraum, wirft vor dem Priester ein paar Münzen ein und setzt sich dann im Lotussitz auf den Teppich oder geht gleich in die Sozialräume, in denen Frauen an Tischen plaudernd Gemüse vorbereiten, Männer und Frauen meist auf dem Boden kniend das Essen einnehmen, das in der Küche von Freiwilligen zubereitet worden und von Gemeindemitgliedern gespendet worden ist. Eben macht mich Judpreeth darauf aufmerksam, dass die zwei Frauen nebenan direkt vom Flughafen gekommen sind, um etwas Warmes zu sich zu nehmen, bevor sie sich trennen und in ihre Stadtviertel aufbrechen, obwohl sie hier auch übernachten könnten. Nicht nur Gebetsraum und Schulungsstätte für Sikhs, ein sozialer Ort und Treffpunkt also, wo jeder – unabhängig seines religiösen Bekenntnisses – sich aufhalten und den Bauch vollschlagen darf, solange er nicht alkoholisiert und unter Drogen ist.
Mir wird diese Art von Religionsausübung immer sympathischer. Vielleicht aber müsste ich  zuerst das heilige Buch des Guru Granth Sahib gelesen und Anspruch an Wirklichkeit gemessen haben,  um mir ein abschließendes Urteil erlauben zu können. Jedenfalls war es eine interessante Erfahrung.
Wie nahe wir beim Flughafen Heathrow wohnen, wird mir bei der Heimfahrt klar. Da fliegen die Brummer nur geschätzte hundert Meter über die Dächer, bevor sie zur Landung ansetzen. Jupi fragt mich zwar immer besorgt, ob ich auch gut geschlafen habe, aber ich kann nicht klagen: Vielleicht ist mein Gehör schon hinüber.

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