Santiago matamoro

compostela (2)Wir sind keine Pilger. Um als solche zu gelten, müssten wir wenigstens 100 Kilometer auf dem Jakobsweg zu Fuß zurück legen, der als camino del Norte über das Baskenland, Kantabrien, Asturien und Galicien entlang der Costa Verde nach Santiago de Compostela führt; – der nach Rom und Jerusalem größten Pilgerstätte der Christenheit, die jährlich von bis zu 180.000 Menschen aufgesucht wird. Gleichzeitig ist die Stadt Standort der Universität und pharmazeutischen Industrie, Kulturhauptstadt 2000 und UNESCO-Welterbe. Wieder oder noch immer regnet es. Mauern, Bäume und Dächer sind moosbewachsen und versuchen der Witterung zu trotzen. compostela (17)Das Ziel ist die im Jahr 997 von den Mauren zerstörte Kapelle, an deren Stelle die Kathedrale von Santiago errichtet worden ist. Leider sind die 70 m hohen Türme eingerüstet. Es gibt wohl keine Kirche, die an ihren Fassaden so viele unterschiedliche Baustile von romanisch über Barock bis zu klassizistisch aufweist. Santiago oder Sanctus Jacobus, der ältere Bruder des Apostels Johannes, der hier begraben sein soll, finden wir auf Reliefs,  Gemälden und Kirchenfenstern, – den größten ihrer Zeit im vorindustriellen Europa -, als einen schwerttragenden Glaubenskrieger, als Matamoro oder Maurentöter dargestellt; von den kastilischen Monarchen als christlicher Bannerträger im Kampf gegen den Islam Betanzos (32)instrumentalisiert, würde man heute sagen. Pilger beklagen die Kommerzialisierung des Wallfahrtsortes, der zu einem Souvenirladen verkommen sei und keinerlei andachtsvolle Stimmung mehr aufkommen lasse. Wir freuen uns darüber, die Plätze und mittelalterlich anmutenden Gassen beinahe menschenleer vorzufinden und problemlos eine günstige Herberge gefunden zu haben.   compostela (14)
Am Ausgang der Kathedrale finde ich eine Apparatur, in der man den feuchten Regenschirm einsteckt, um ihn nach einer Umdrehung – von einer tropfsicheren Kunststofffolie umhüllt – wieder trocken herauszuziehen. Solche Vorrichtungen soll es überall in Lokalen, Museen und größeren Kirchen geben. Ich sehe sie zum ersten Mal und staune über so viel Kundenfreundlichkeit.

1 Comment
  • Anonymous
    Posted at 17:21h, 10 Februar Antworten

    wünsche dir noch einige tage ohne den scheiss schirm…..anyway…..eine lässige zeit noch…..grüße klaus

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