02 Aug. Bei Mutter in Bregenz und Umgebung
Das Haus ist in meinem Kopf. In ihm gehe ich auf Reisen. Zuerst höre ich ein leises, rhythmisches Klopfen. Es kommt aus den Lamellen der Zentralheizung und verbreitet seine Signale über Metallrohre, die sich über die Stockwerke verzweigen. Der Rhythmus folgt dem Morsealphabet einer fremden Sprache. Das Haus hat ein Gedächtnis. Es schlägt seine Zähne hinein in seine Wände und Böden und nagt das Mitleid aus seinen Fugen. Die Risse sind Runen. Es kennt die Leichen im Keller; die modrige Feuchte des Erdreichs, in dem es wurzelt, und die aufgestaute Hitze unter den Ziegeln des Daches; dort legen Überseekoffer mit eisenbeschlagenen Ecken Zeugnis ab von vergessenen Reisen.
Jetzt hört er Stimmen. Männer, Frauen, Kinder. Sie reden gleichzeitig auf ihn ein. Ich will mir die Ohren zuhalten, aber sie fordern ein, gehört zu werden. Ich habe mich ergeben. Jetzt höre ich zu.
Das Haus schwitzt und es friert. Hinunter führt eine Stiege aus Stein, hinauf Treppen aus Holz. Eine jede hat 16 Stufen. Hinauf ist es mühsam, hinunter gefährlich; oben ist nicht der Himmel und unten nicht die Hölle. Es ist weder Herberge noch Hotel. Es will kein Schloss sein und auch keine Villa. Es ist ein Haus. In ihm wird gelogen, dass sich die Balken biegen; der Teufel wird an seine Wände gemalt; das Geld aus den Fenstern geworfen, Menschen vor die Tür oder in die Welt gesetzt. Angst belegt alle Zimmer. Nur Angst? Nein auch Freude. Ein Haus wie jedes andere ist es. Belastet mit Erinnerungen und einem Vermächtnis: Wir alle sind Erben.
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Anonym
Posted at 14:14h, 02 AugustServus Helmut,
Deine Mutter ist elegant mit Hut und farbigen Rock, die Fotos sind sehr schön, danke !
Sei herzlichst gegrüsst,
ERNY