Flohmarktarragements

Am letzten Samstag vor dem vierten Lockdown, den weniger die Ungeimpften als die Politiker aus ÖVP und FPÖ zu verantworten haben, noch einmal den Flohmarkt besucht.
Herrliches Wetter und ein makellos blauer Himmel luden zum Herumstreunen ein. Nicht ziellos, denn ich bin immer auf der Suche nach Illustrierten aus dem letzten Jahrhundert: Futter für neue Collagen. Beim Suchen nach einem Stand, der solche Ware feilbietet, sind mir wieder die Arrangements aufgefallen, welche von den Standbesitzer:innen vorgenommen wurden, um Kunden anzulocken. Vielleicht aber sind es gar keine beabsichtigten Arrangements und die Objekte haben ganz zufällig zueinander gefunden. Eigentlich sind diese zufälligen oder beabsichtigten Zusammenstellungen selbst Collagen oder vielleicht noch treffender: Installationen im öffentlichen Raum.

Jede von von ihnen erzählt eine Geschichte. Der verstaubte Überseekoffer zum Beispiel, der an eine Bettwand gelehnt auf einen neuen Besitzer* wartet: Auf welche Reisen wurde er mitgenommen? Wer hat ihn getragen? Was waren seine Inhalte? Oder dieser Behälter – randvoll angefüllt mit Rehkitzläufen. Wer hat sie geschossen? Warum? Welche Verwendung wollen sie finden? Und hier: Eine Heer von bewaffneten Fellachen aus der Zeit der Pharaonen in einem blauen Werkzeugkoffer aus Metall.
Auf dem Tisch ein auf allen Vieren kriechendes Puppenbaby mit einer blauen Windelhose und einer eingestickten Cartoonbiene. Ein kunstvoll gerahmtes Landschaftsbild, auf dem sich mein Schatten bricht. Napoleon in Gesellschaft von Eulen. Ein Bettchen, auf dem eine Woodoopuppe liegt. Warum Woodoo? Weil es eine schwarze Puppe ist? Welches Kind hat mit ihr gespielt und ihr einen Namen gegeben? Auf welchen Namen hat es sie getauft? Welche Dramen hat es mit ihr aufgeführt?
Endlich fündig geworden. Eine Illustrierte von 1938, dem Jahr des Anschlusses an Nazideutschland, kostet 5€. Die bunte Praline je Stück 3€. Vergänglichkeit, die sich bezahlt macht.

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