Dialog mit Oskar

M: Ich schwitze. Die Hitze macht mich fertig.

K:  Was soll ich sagen? Hast du ein Fell? Also hör auf zu jammern.

M: Dass sie spricht und ich sie verstehe, ist nichts, worüber Ich mich wundere. Alle, die eine Katze haben, wissen, dass sie sprechen können.

Soll ich dich streicheln?

K:  Bloß nicht. Lass mich schlafen.

M: Du schläfst doch gar nicht. Du tust nur so.

K:  Und wenn? Ich kann mit einem Auge schlafen und mit dem anderen wach sein.  Das kannst du nicht.

M: Dafür kann ich träumen.

K:  Ich träume Tag und Nacht. Meistens von dir.

M: Du träumst von mir?

K:  Ja. Ich träume, dass du mich träumst.

M: So ein Blödsinn.

K:  Was ist das Geräusch einer Hand, die nicht klatscht?

M: Was soll das schon wieder?

K:   Du sollst über die Natur der Realität nachdenken. Zb. ob das, was du wahrnimmst, nur konstruiert ist. Ohne Klatschen kann es auch kein Geräusch von einer Hand geben. Du sollst erkennen, dass jedes Phänomen nur in Bezug auf sein Gegenteil existieren kann.

M: Ich soll bei der Affenhitze nachdenken?

K:  Affenhitze sagt man nicht. Das ist diskriminierend.

M: Jetzt fängst du auch schon an.

K:  Soll ich dir noch ein Rätsel aufgeben?

M: Du schleichst wie die Katze um den heißen Brei. Worauf willst du hinaus?

K:  Zeige mir dein wahres Gesicht, bevor deine Eltern geboren wurden.

M: Wow. Jetzt hast du aber die Katze aus dem Sack gelassen.

K:   Ja, eine Katze lässt das Mausen nicht.

M:  Fehlt noch das mit der Katze im Sack.

K:   Oder Schrödingers Katze. Auch so ein Paradoxon. Warum es unbedingt eine Katze hat sein müssen. Hast du darüber schon einmal nachgedacht?

M:  Nein. Hab ich nicht.

K:   Siehst du? Warum nicht ein Hund, eine Maus, ein Elefant?

M:  Gute Frage. Und hast du eine Antwort?

K:   Natürlich hab ich eine Antwort. Dass Schrödinger eine Katze in  die Box gesperrt hat, beweist, dass selbst Quantenphysik ohne uns nicht auskommst. Nur wir Katzen können in mehreren Zuständen existieren.

M:   Du bist ganz schön eingebildet.

K:    Ja, um das geht es ja die ganze Zeit. Um Träume, um Einbildung, um die Natur von Zeit und Identität. Aber jetzt lass mich in Ruhe.

M:   Soll ich dich streicheln.

K:     Nur ja nicht. Ich sag’s dir schon, wenn ich das will.

M:    Ist ja gut.

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2 Comments
  • Manfred Voita
    Posted at 09:28h, 22 Juni Antworten

    Dass Katzen sprechen, weiß man spätestens seit ETA Hoffmanns Kater Murr, aber die Ägypter wussten es vermutlich auch schon. Dass so göttliche Wesen sich dazu herablassen, uns die Welt zu erklären!

    • Helmut Hostnig
      Posted at 22:08h, 27 Juni Antworten

      Hi Manfred. Danke für Kommentar. Werde den Dialog fortsetzen, um mehr über die Welt zu erfahren.

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