Das letzt Ma(h)l

Das letzte Ma(h)l

Einmal, da hatte er kein Problem. Keins, mit dem er unter die Leute hätte gehen können; an die Stammtische seiner Freunde, die ihn nur mit Problemen kannten; die er seit Jahren mit seinen Leiden unterhalten, die er noch nie enttäuscht hatte. Sie schätzten ihn, denn er verstand es wie kaum ein andrer, selbst einen einfachen Liebeskummer oder eine kleine Auseinandersetzung mit einem Vorgesetzten so zu dramatisieren, dass keiner sicher sein konnte, ihm je wieder zu begegnen. Wo andere eine Krawatte tragen, würgte ihn ein unsichtbarer Strick. Er schien aus einem nie versiegenden Schmerzensquell zu schöpfen und an Selbstzweifeln so zu nagen, dass ihn schon ein von ihm falsch interpretierter Blick völlig aus der Bahn werfen konnte. Natürlich lieferte auch der Zustand der Welt, selbst der fernsten, ihm Gründe genug, seinen persönlichen Zustand zu rechtfertigen. Und der war nicht nur bemitleidens-wert, sondern erbarmungswürdig. Zuerst wollte er seinen Vater verantwortlich machen, dann das System. Bis er herausgefunden hatte, dass es zeitgemäßer war, das Kreuz selbst zu tragen.  In der Jugendsprache von heute, würde er keinen Namen haben: „Opfer“, würden sie ihn rufen, und damit alles sagen, was über ihn zu sagen war. Aber lassen wir ihn selbst sprechen:

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