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Karlsbad

Karlsbad oder Karlovy Vary wirkt von oben wie eine Kulisse aus ineinander verschachtelten, knallbunten und hauptsächlich im Jugendstil errichteten herrschaftlichen Häusern, die sich dem Flussverlauf folgend in das enge Tal und seine steil aufragenden Flanken schmiegen, ohne sich gegenseitig die Sicht zu nehmen. Heiße Quellen und Geysire, die bis zu 12 m in die Höhe schießen, haben Karlsbad zu einem Ort gemacht, in welchem sich die who is who und VIP’s der letzten 2 Jahrhunderte von Goethe über Mozart und Marx bis zum Zaren die Klinke in die Hand gaben.

Ein kurzer Abriss seiner bewegten Geschichte

1819 lud Metternich, Kickl der Habsburgermonarchie, die Ministerkollegen des Deutschen Bundes zu einem geheimen Treffen nach Karlsbad ein; bei Wellness und Spa im luxoriösen Ambiente wurden – die Angst vor revolutionärem Umsturz wie in Frankreich saß den Herrschaften noch in den Knochen – rigide Überwachungsmaßnahmen beschlossen, die als  Karlsbader Beschlüsse geschichtliche Notiz fanden.

Ein Jahrhundert später – nach Ende des 1. Weltkriegs – wurde die deutschsprachige Bevölkerung Böhmens und Mährens und damit auch Karlsbad’s in die Tschechoslowakei eingegliedert, was zu Aufständen und ihrer Niederschlagung führte. 1938 wurde das Sudetenland Teil Nazideutschlands, was nach 1945 die Vertreibung der Sudetendeutschen aus der Tschechoslowakei zur Folge hatte. Die Demarkationslinie zwischen dem von den USA und dem von der UdSSR verwalteten Gebiet verlief entlang der Städte Budweis, Pilsen und Karlsbad. 1948 war die Tschechoslowakei ein Satelittenstaat der UDSSR unter der Herrschaft der Kommunistischen Partei, die  bis zur Samtenen Revolution im Jahr 1989  dauerte. 1992 haben sich die beiden Landesteile Slowakei und Tschechien getrennt und es entstanden 2 Staaten, die bald auch Aufnahme in der EU fanden.

Heute ist Karlovy Vary jährlicher Austragungsort für ein internationales Filmfestival. Das Grandhotel Pupp war Kulisse für den Bondfilm Casino Royal und das Palace Bristol Hotel stand für The Grand Budapest Hotel Modell. Was auffiel, war der große Anteil asiatisch-stämmiger Touristen in Karlsbad, aber auch Hinweisschilder und Angebote in kyrillischer Schrift, die auf die Präsenz von vielen russischen Geschäftsleuten schließen lässt, was die Vermieterin der Pension, in welcher wir untergebracht waren, bestätigte.

1 Comment
  • Andrea Halmschlager
    Posted at 16:44h, 15 Mai Antworten

    Schön so viele Fotos vom dicht bebauten Hügel zu sehen, wir spazierten dort herum. Schön auch Karlsbad im Frühling zu sehen!

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