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Der Sonnenschirm drohte abzuheben, so stark war der Wind. Er pflanzte ihn tiefer in den Sand, schaufelte mit seinen Händen einen Haufen rund um seinen Stock. Dann legte er sich wieder in den von ihm gespendeten Schatten, der mit der Sonne zu wandern begann. Wenn er aufwacht, wird er wissen, dass er die kommende Nacht nicht würde schlafen können. Der Schirm tanzte kieloben draußen auf den Wellen. Die Sonne kippte gerade blutrot hinter den Horizont. Er will ins Wasser, obwohl er weiß, dass es ihm nur kurzfristige Kühlung versprechen kann und das Salz dann auf seiner verbrannten Haut trocknen würde. Den in den Farben des Regenbogens leuchtenden Schirm zu retten, kam ihm nicht in den Sinn. Er war zu müde. So müde, dass er sich noch im Schlaf die Augen rieb. Der zu Asche verbrannte Teil einer Zigarette ragte glimmend noch über den Tischrand hinaus. Sie lag auf dem Sofa und nippte an einem im oberen Drittel rechtwinklig geknickten blauen Strohhalm, den sie - während sie telefonierte – grade zu biegen versuchte. Hey. Nein. Kommt gar nicht in Frage. Wo denkst du hin? Aber. Was willst du damit sagen? Die Glut der Zigarette fraß sich langsam in den Filter. Sie dämpfte sie nicht aus, beobachtete sie aber angestrengt, jederzeit bereit einzugreifen, falls sie über den Rand des Glastisches auf den Teppich kippen sollte.  

Er bemüht sich. Er bemühte sich wirklich, ... Zwei Sätze. Eine Feststellung in zwei Zeiten, wiederholt und erweitert durch eine adverbiale Bestimmung, die unterstreichen soll, wie er sich bemüht und bemüht hat. Geradeso, als hätte einer infragestellen wollen, dass er sich bemüht. Dann ein Beistrich, der einen Nebensatz ankündigt, aber offen lässt, worum er sich bemühte. Ein Blatt Papier auf einem nun verwaisten Schreibtisch. Eine  Person, die verschweigt, wer gemeint und an wen das Schreiben gerichtet ist. Nicht die leiseste Andeutung. Nur diese Zeile. Handgeschrieben, als sollte es ein letzter Brief werden.

Ich bin ein Groschengrab, sagt sie. Das sagt man da so. Ich kenne diesen Ausdruck nicht, hab ihn noch nie gehört und bitte deshalb um Aufklärung. Was ist das, ein Groschengrab?, frag ich also. Hast es wirklich noch nie g’hört? Ja, wo lebst du denn?, fragt sie entrüstet. Heut würd’ man ja Cent sagen und nimmer Groschen. Centgrab müsst’s heut heißen. Aber nur weil wir jetzt den Euro hab’n, müss’n wir doch jetzt nicht alle Redewendungen, die mit Groschen z’ tun hab’n durch Cent ersetzen. Wie würd’ das denn klingen, wenn ich jetzt sag: Ist der Cent jetzt g’fallen bei dir? Ich hab verstanden, obwohl ich noch immer nicht weiß, was ein Groschengrab ist. Ein Groschengrab, klärt mich die Tante nun endlich auf, ist  ein Geldautomat, der Schilling oder Groschen schluckt, die heut Cent heißen. Er schluckt sie, aber spuckt sie nicht mehr aus, verstehst? Drum Groschengrab. Vom Grab stehst auch nicht mehr auf, außer du bist der Jesus. Gut, aber was hat das mit dir zu tun? Warum bist du ein Groschengrab? Wenn dich einer mit Geld füttert und du gibst es nimmer her, müsstest ja reich sein, versuche ich zu argumentieren. Jetzt hast es noch immer nicht kapiert? Das ist doch nur übertrag’n g’meint. Manchmal stellst dich wirklich blöder als bist oder willst mich ärgern? Weil mich alle mit ihren G’schicht’n füttern wie ein Automaten, hast es jetzt? Sie tippt mir auf die Stirn: Ist der Groschen jetzt g’fall’n? Drum.