
Heute habe ich mir Auszeit genommen, um das Dauerbombardement von Eindrücken und Sinneswahrnehmungen zu verarbeiten, das zu verschriften mir kaum gelingen wird. Während meine Lebensgefährtin, die zu einer Verkaufsausstellung im LOOT, dem Museum für zeitgenössische Schmuckkunst, eingeladen worden ist, ihren Stand hütet, hatte ich meine Streifzüge durch die Megalopolis begonnen. Aber der Reihe nach:
Nach elend langen Flügen in den halboffenen MRT-Kisten diverser Airlines, in denen an Schlaf nicht zu denken ist und man mit eingeschweißtem Junkfood und selbstwählbarem Unterhaltungsprogramm davon abgelenkt werden soll, wie ausgeliefert man in Wirklichkeit ist, sind wir trotz delayed flights noch am selbigen Tag gegen Mitternacht im JFK-Airport von NYK angekommen. Gegen Westen fliegend sind wir zwar nicht wirklich jünger geworden, aber immerhin gleich alt geblieben.
Noch vor der Passportkontrolle, welche die Ankunft noch einmal um eine Stunde verzögert, wird der in die USA Einreisende auf Monitoren damit unterhalten, wie ungemein schädlich Haschischkonsum ist. Männer werden zu testosteronwütigen Bestien, die über die Frauen herfallen, Kinder, deren Mütter sich dem Pot hingegeben haben, starren dich mit glasigen Augen an. Dazwischen werden Destinationen in Europa beworben. Aber daher kommen wir gerade. Endlich dürfen wir Fragen nach dem Grund unseres Aufenthaltes und nach der Höhe unseres Taschengeldes beantworten. Noch ein Gesichtsscan und Fingerprints, ein Smalltalk über Chile, dessen Stempel im Pass den Beamten zu beeindrucken scheint, und wir sind endlich angekommen.
Da wir nicht wissen, dass man sich, um ein Taxi in die Stadt zu nehmen, in eine Schlange einreihen muss, werden wir angewiesen, uns auf dem Weg über das Exit wieder hinten anzustellen. Ein Mann, der eine Abkürzung nehmen will, wird mit „You fucking asshole“ auf Kurs gebracht. Hier scheint ein rüder Ton zu herrschen.