DSCF2057 Subwayriders risk ear demage, titelt eine U-Bahnzeitung. Don’t run on the plattform!, warnen Plakate. 55 Tote 2012. Neben dem Lärm und der Gefahr, in einen Schacht vor die Subway zu fallen, die etliche Stockwerke tief geführt wird, besteht die wohl größere darin, dass man sich von der stickigen Hitze in klimatisierten Zugabteilen erholend schnell eine Dauergrippe einfängt. New Yorker sind fast alle zugestöpselt. Eine weiche männliche Stimme, die aus einem Film der 5o’s sein könnte, warnt vor dem Schließen der U-Bahntüren. P1110533P1110687P1110698P1110801Der MTA New York City Transit gehört zu den ältesten der Welt und ist neben der U-Bahn in Shanghai und London  mit 26 Linien, 468 Bahnhöfen, 337 Streckenkilometern mit über 1355 Kilometern Gleis, und über 4,9 Millionen Fahrgästen pro Tag zugleich eines der komplexesten Netze weltweit. DSCF2031Von dort, wo wir untergebracht sind, fahren wir fast eine Stunde zum Museum of art and design am Columbus Square, in welchem Susanne Hammer mit 50 anderen international ausgewählten Schmuckkünstlerinnen Ihre Kollektion zum Verkauf ausstellt. Noch bleiben uns ein paar Stunden, um im Central Park – auch wieder Kulisse unzähliger Filme – herum zu streunen. P1110665P1110589Man kann sich entweder ein bike mieten oder mit einspännigen Lohnkutschen durch den weitläufigen Park fahren lassen. Die Fiaker dürften – ob in Wien oder New York - alle dem gleichen Schlag angehören. Gerissene, zwielichtige Gestalten, die im Smoking  lässig neben den mit zuckerfarbenem Dekor geschmückten Pferden stehen und Kunden keilen. Flankiert von großen Museen wie dem Guggenheim und Naturhistorischem zwischen der 5. Und 8. Avenue liegt die grüne Lunge der Metropole, die neben den Stones auch Paul Simon besungen hat: “When the leaves are dark, I've got a hiding place in Central Park.”  110 Tonnen Sprengstoff wurden angeblich verwendet, um die Granitfelsen zu sprengen, von denen etliche wie die Wackelsteine im Waldviertel herum liegen und dem Park mit den 22.000 Bäumen sein landschaftsarchitektonisches Gepräge verleihen. Kleine Seen laden zu Bootsfahrten ein; man kann reiten, rudern, Baseball, Golf und Cricket spielen, kleine Segelboote mieten, sie ins Wasser setzen und fernsteuern, auf den Felsen liegen und die letzte Sonne genießen, die Gitarre auspacken und spielen, ein Buch lesen oder wie diese Ballerina mit anmutigen Sprüngen um die Spaziergänger herum tanzen.

DSCF1978Heute habe ich mir Auszeit genommen, um das Dauerbombardement von Eindrücken und Sinneswahrnehmungen zu verarbeiten, das zu verschriften mir kaum gelingen wird. Während meine Lebensgefährtin, die zu einer Verkaufsausstellung im LOOT, dem Museum für zeitgenössische Schmuckkunst, eingeladen worden ist, ihren Stand hütet, hatte ich meine Streifzüge durch die Megalopolis begonnen. Aber der Reihe nach: Nach elend langen Flügen in den halboffenen MRT-Kisten diverser Airlines, in denen an Schlaf nicht zu denken ist und man mit eingeschweißtem Junkfood und selbstwählbarem Unterhaltungsprogramm davon abgelenkt werden soll, wie ausgeliefert man in Wirklichkeit ist, sind wir trotz delayed flights noch am selbigen Tag gegen Mitternacht im JFK-Airport von NYK angekommen. Gegen Westen fliegend sind wir zwar nicht wirklich jünger geworden, aber immerhin gleich alt geblieben. Noch vor der Passportkontrolle, welche die Ankunft noch einmal um eine Stunde verzögert, wird der in die USA Einreisende auf Monitoren damit unterhalten, wie ungemein schädlich Haschischkonsum ist. Männer werden zu testosteronwütigen Bestien, die über die Frauen herfallen, Kinder, deren Mütter sich dem Pot hingegeben haben, starren dich mit glasigen Augen an. Dazwischen werden Destinationen in Europa beworben. Aber daher kommen wir gerade. Endlich dürfen wir Fragen nach dem Grund unseres Aufenthaltes und nach der Höhe unseres Taschengeldes beantworten. Noch ein Gesichtsscan und Fingerprints, ein Smalltalk über Chile, dessen Stempel im Pass den Beamten zu beeindrucken scheint, und wir sind endlich angekommen. Da wir nicht wissen, dass man sich, um ein Taxi in die Stadt zu nehmen, in eine Schlange einreihen muss, werden wir angewiesen, uns auf dem Weg über das Exit wieder hinten anzustellen. Ein Mann, der eine Abkürzung nehmen will, wird mit „You fucking asshole“ auf Kurs gebracht. Hier scheint ein rüder Ton zu herrschen.