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20151114_101343shanghai (13)Nirgends auf meinen Reisen wurde mein Gepäck so oft gescannt wie in China. Überall, - sogar in der Metro, die aber keinen Nachtbetrieb kennt -, geht es zu wie am Flughafen. Gefinkelte Leitsysteme und viel Security versuchen die zu Ein- oder Ausgängen drängende Masse der Fahrgäste in geordnete Bahnen zu lenken. Überhaupt ist es beschwerlicher als anderswo, nicht nur, weil ich die Sprache nicht spreche und die Piktogramme für die angepeilten shanghai (12)20160129_122047Ziele nicht lesen kann, sondern vor allem, weil man unentwegt hofft, dass man wegen der Staus rechtzeitig und am richtigen Bahnhof ist, sich am Schalter verständlich machen kann, einen Sitzplatz bekommt, in den dunklen und bitterkalten Wartesälen nicht erfriert, die kryptischen Botschaften auf den Anzeigetafeln richtig deutet, man sich nicht im Datum oder der Uhrzeit geirrt hat, wenn der Zug mit der Nummer G145 plötzlich nicht mehr aufscheint, bis man endlich – steifgefroren und gleichzeitig nassgeschwitzt – im richtigen Zug oder Bus sitzt und wieder hofft, dass man auf irgendeine Art und Weise darauf aufmerksam gemacht wird, am richtigen Zielort angekommen zu sein.

20151114_113130Mit dem G-Train, der Spitzengeschwindigkeiten bis über 350 km/h erreichen kann, zurück von Guilin nach Shanghai. Für die über 1500 km lange Strecke braucht er allerdings fast 10 Stunden. In Shanghai ist es Nacht und eine Schlange von Menschen, die kein Ende nimmt, versucht ein Taxi zu bekommen. Schneeregen und beißende Kälte. Eine Stunde später sind wir im Hotel. Am nächsten Morgen nehmen wir ein letztes Mal den Zug nach Suzhou, um das Gepäck vom Campus zu holen, der wegen der Semesterferien ohne jeden Betrieb ist. In den Fernsehnachrichten erfährt man auch hier von den Kriegsherden im Nahen Osten und der Flüchtlingskrise in Europa. Merkel repräsentiert Europa. Wenn allerdings Xi Jinping, der Staatspräsident von China auftritt, der als Jugendlicher auf Grund der Kulturrevolution in ein Dorf flüchtete, um den Roten Garden zu entkommen, wird ihm eine journalistische Aufmerksamkeit zuteil, die schon wegen der Länge seiner Ausführungen in westlichen Medien vielleicht nur bei Reden zur Nation oder Neujahrsansprachen üblich ist.

Im Talmud steht der Satz: Wir sehen nicht, wie die Dinge sind; wir sehen die Dinge, wie wir sind. Das gilt auch für das Fotografieren, welches mein Sehen auf Reisen im Takt der sich mir anbietenden Motive festhält, bannt, DSC_0011einfriert; das alles im Versuch, den Augenblick der Vergänglichkeit zu entreißen, den Veränderungen, letztendlich dem Tod zu trotzen. Jedes Foto gibt mit der Wahl des Motivs, ja sogar mit seinem gewählten Ausschnitt etwas von der Person preis, die es macht. Was zeige ich? Was nicht? Was kann nur schriftlich festgehalten werden und kommt ohne Bild aus? Zum Beispiel, dass hier Kleinkinder keinen Schnuller haben, die Häuser frei von Schornsteinen sind, es kaum beheizte Räume gibt, selbst wenn die Temperaturen unter Null gehen? Die Maus, mit der ich im Dashboard meines Blogs navigiere, ist so kalt, dass ich lieber auf dem Touch-Pad bleibe. Die Menschen so hilfsbereit, dass sie große Umwege in Kauf nehmen, um uns auf den richtigen Weg zu bringen , auch wenn sich des öfteren herausstellt, dass es der falsche Bahnhof, der falsche Bus ist. Kaum stehen wir hilflos herum, da wir weder die Zeichen noch die Sprache verstehen, kommt jemand, zückt sein Smartphone und versucht über Übersetzungsprogramme mit uns zu kommunizieren. Der Taxifahrer sucht ein Hotel, das sich in der Nähe des Bahnhofes befinden soll, scheint es aber nicht zu finden. Während das Radio plärrt, das Funkgerät Zischlaute von sich gibt, die sich anhören, als würde ein Zündkabel unter Strom stehen, navigiert er mit dem Smartphone und telefoniert gleichzeitig. DSC_001320160121_131708Irgendwo hält er, zeigt mir das Display mit der kryptischen Botschaft: "the waiter is coming soon"  und bedeutet uns auszusteigen. Da ist aber weit und breit nichts; eine Karaokebar, ja, aber kein Hotel. Doch: Eine Frau biegt um die Ecke und winkt. Wieder einmal gut gegangen. Sie ist vom Hotel. Das alles können Bilder nicht festhalten, doch manchmal etwas illustrieren, was keiner Worte bedarf. Immer wieder hoffe ich, dass mir der Mix aus beidem gelingt.

20160116_200617Zhangjiajie - Changsha - Guilin - Yangshuo. Bus - Taxi - G-train - Bus - Taxi. Für eine halbe Stunde war der Himmel zu sehen, dann wieder Städte und Landschaften, die durch die Kohlendioxid-Emissionen nur als Schemen wahrzunehmen waren. Ankunft am Abend in Yangshuo im Regen, der alles noch trostloser erscheinen lässt, als es das feuchtkalte Klima und der Nebel ohnehin schon tun. Oft fragen wir uns, ob sich das längerfristig nicht auf das Gemüt schlagen muss, wenn man wochenlang den Himmel nicht mehr sieht; weder die Sonne, noch Sterne und Mond. Haben sich die Menschen hier damit abgefunden? Was müsste geschehen, um die Luftverschmutzung auf ein Niveau zu senken, das westlichen Standards entspricht? Wie viele Fabriken müssten zusperren, wie viele Kohlekraftwerke stillgelegt und wie viel Individualverkehr zugelassen oder verboten werden? Und vor allem: Kann sich das wachstumsverwöhnte und exportorientierte China das leisten? Weiß nicht, welche verbindlichen Regelungen für die Reduzierung der Kohlenstoff-Emissionen beim Klimagipfel in Paris vereinbart worden sind. Feststeht, dass das Land der Mitte für ein Viertel der Pollution weltweit verantwortlich ist. 20160117_150650Als würde ein gutmeinender Wettergott Erbarmen mit uns haben, wird es Morgen aufklaren und der geplante Li River Bamboo-Trip bei endlich blauem Himmel stattfinden. Yangshuo in der Provinz Guanxi ist mit 130 000 Einwohnern eine kleine Stadt, in der - sicher auch wegen des Tourismus - kaum etwas vom alten China zu entdecken ist.   Eine lange Wanderung in die Umgebung und wieder zurück macht uns ortskundig und zeigt uns die vielen Gesichter von China, in welchem uns das zeitgleiche Vorhandensein einer noch 20160117_15093520160119_11102520160119_114224immer archaisch anmutenden Welt und einer, die schon in der Zukunft angekommen zu sein scheint, so fasziniert. Der Himmel ist zwar wolkenverhangen, aber es regnet nicht und es ist nicht wirklich kalt. Die Unterkunft, -  ein Hostel am Rand der Stadt -, ruhig, sauber und billig. Auf dem Weg in die Stadt plötzlich Höllenlärm von auf der Straße abgefeuerten Knallkörpern. Ein Auto mit einem buntem, papierumflochtenem Drahtgestell auf dem Dach; dahinter in Dreierreihen Männer und Frauen, von denen die in der Mitte gelbliche Stoffüberwürfe tragen und immer wieder - von beiden Seiten gestützt -, hinknien, wieder aufstehen, wieder hinknien, bis ein überdimensional großer, schwarzlackierter, dickwandiger Sarg im bereitstehenden Auto Platz gefunden hat. Die Umhänge werden ausgezogen und die Trauergemeinde zerstreut sich. Ein vorausfahrendes Fahrzeug wirft gelbes Papier auf die Straße, das sofort von eine Brigade Straßenkehrer aufgesammelt und weggekehrt wird. Ein rätselhaftes Trauerzeremoniell.