Karwoche ist und heute ein sonniger Frühlingstag, der zu kleinen Ausflügen ins Freie lockt. Der Föhn zoomt die noch immer schneebedeckten Voralpenhänge in eine Nähe, wie sie sonst nur mit optischen Vergrößerungsbehelfen möglich ist. Schweizer Berge vom funkenbühel ausMeine Mutter will, dass wir zu einer Zilli fahren, die in einem Altersheim im Bregenzer Wald wohnt. Sie ist auch Jahrgang 1923, sagt sie, war eine Schulkollegin von mir  und hat uns viel Gutes getan. Auch ich will die Frau kennen lernen, die jahrelang dafür gesorgt hat, dass das Brot nicht bezahlt werden musste, das auf unseren Tisch kam. Es war nach der  Beatzungszeit in den Jahren des Wiederaufbau's, und meine Mutter hat die Nächte in Heim-- und Akkordarbeit mit dem Aufnähen von Sohlen auf Filzpantofffeln und dem Einbordeln von Knopflöchern zugebracht, damit wir Kinder keinen Mangel leiden müssen.

18 Stunden sind vergangen seit der Fruchtblasensprung erfolgt ist, der Arzt ihr ohne Narkose die Nähte entfernte, die den Muttermund verschlossen hielten, und jetzt zwei Monate zu früh die Wehen begannen, welche den Geburtsvorgang einleiten. Er denkt an die vielen Komplikationen und ist froh, dass es nun soweit ist. Wie schnell ihr Herz schlägt. Wie ein Tamburin, das zum Finale trommelt. Wie ein Zug, der durch die Nacht rast. Den nichts mehr und kein Signal aufhalten kann, sich mit dem Stakkato des Toctoc seinem Ziel immer näher weiß. Sie sucht seine Hände. Ihre Nägel schlagen sich in sein Fleisch und er spürt es nicht. Ihr Atem fliegt. In ihren Augen steht Angst: Hilf mir!, flehen sie. Mach, dass es vorbei ist. Schnell. Sein Gleichmut versetzt ihn in Staunen über sich selbst. Er raunt alte Beschwörungsformeln: Es wird alles gut gehen. Glaub mir! Gleich hast du es überstanden. Der Muttermund ist verstrichen. Die Wehe hat nachgelassen. Die Hebamme schließt sie an die Geräte an, schnallt ihr einen Gürtel über den Bauch, auf dem die Schallköpfe für die externe Überwachung angebracht sind. Erbarmungslos tickt der Wehenschreiber. Die Herztöne hämmern wie in dark side of the moon., verebben, schwellen an. Pam – pampam: Eine Mischung aus Walzer und Ragtime. Ein exotischer Rhythmus. Kassiber. Alles nimmt er wahr. Mit übergenauer Deutlichkeit: Die knallhelle Lampe über dem Kreißbett, die mit einem Heftpflaster befestigte Injektionsnadel, die zerstochene Handbeuge, den Schlauch, der von der Nadel zum Wehen fördernden Dauertropf führt, die kalten, gekachelten Wände, die Wanduhr, deren Zeiger gegen Mitternacht vorrücken. Der lichtgrüne Mantel, in den er gesteckt wurde, hebt sein Selbstvertrauen und zaubert ein müdes Lächeln in ihr Gesicht. In wenigen Augenblicken werde ich Vater, denkt er. Jetzt gibt es kein Entrinnen mehr. Ich könnte fliehen, aber nichts ist weiter als die Ferne zwischen Jetzt und Jetzt. Dazwischen kann ich mich nicht verstecken. Jetzt ist es soweit. Jetzt muss ich mich stellen. Jetzt trennen uns nur noch wenige Augenblicke davon Eltern zu werden. Er ist nicht ruhig. Er tut nur so. Die Wehen haben sich wieder beruhigt, sind fast ganz zum Stillstand gekommen. Eine Traubenzuckerinfusion soll sie wieder zu Kräften bringen. Allerheiligen. Dein Geburtstag. Ich blättere in den Tageszeitungen, lese die Schlagzeilen. Ich will sie dir aufheben. Vielleicht wird es dich einmal interessieren. Vielleicht wirst du gerne einmal wissen wollen, was in der Welt los war, genau an dem Tag, als du auf die Welt gekommen bist. Was die Gemüter erhitzte, unter welchem Stern du geboren wurdest. Apropos Sterne. Mein Horoskop meint, dass ich mich nun mit gewissen Tatsachen abfinden müsse, das der Mutter verspricht eine Überraschung, die sie heute ganz besonders froh machen würde. Außerdem hätte sich etwas ergeben, von dem sie nicht zu träumen gewagt hätte. Was das wohl sein könnte? Und du? Du wirst im Skorpion geboren. Frau Helga rät dir, liebenswürdig zu bleiben, auch wenn dir heute etwas auf die Nerven geht. Hast du gehört, Hannah, meine Tochter? Ja, dein Name steht auch schon fest. Jetzt aber muss es bald so weit sein. Jetzt wird es ernst.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=BW9EeCZMsuA&w=560&h=315] Autor: Helmut Hostnig Musik: Hermann Unterwurzacher Anspruch Es muss sich nicht reimen Und dich nicht trösten Es kann grünes Glas sein Auf der Jagd nach Smaragd Ich will nicht erbauen Was brach,...

Vorübergehend kann man seine Reiselust auch virtuell befriedigen. Mit 80 Mausklicks um die Welt. Warum nicht? Man spart Geld, und die Zeit, die man verbringt, um auf Transportmittel zu warten oder mit ihnen – meistens nicht sehr komfortabel - unterwegs zu sein, verfliegt mit dem Lesen der manchmal gut und spannend geschriebenen Reiseberichte und journalistischen Reportagen schneller als mich jeder ausgebuchte und meistens überfüllte Düsenjet von A nach B wie Bangkok, oder in meinem Fall von W wie Wien über B nach K wie Kambodscha bringen könnte. Ja, ich war heute mit Christoph in Kambodscha, Er ist ein Frühaufsteher. Ich nicht. Trotzdem schnalle auch ich mir im Geiste Laufschuhe an und begleite ihn auf  seinem morgendlichen Marathon, der mich leider aber schon nach wenigen hundert Metern in Schweiß gebadet zusammenbrechen und nach Luft holen lässt, die seinem Bericht zufolge nach einer Mischung aus verdorbenem Essen, altem Fisch und Urin stinkt, wobei er den Smog gänzlich unerwähnt lässt, der die Menschen hier zwingt sich mit Atemmasken zu schützen. Ich stolpere mit ihm durch die Tempelanlagen von Angkor Wat, die Tomb Raider als Filmkulisse gedient hat. Nachdem wir uns die Füße platt gelatscht haben, gönnen wir uns das leckere traditionelle Gericht: "Amok": Fleisch oder Fisch in Curry-Kokuscreme serviert in Bananenblättern. Das erinnert mich an meinen Hunger im Jetzt und Hier. Ich verlasse ihn deswegen und bereite mir einen Toast mit Käse aus Vorarlberg und Schinken aus Trasomontes, den ich von meiner letzten Reise aus Portugal mitgebracht habe.  Noch kauend treffe ich Marcella, die eben dabei ist ein Tuk Tuk -Taxi in die Killing fields zu mieten, um sich mit der jüngeren Geschichte Kambodschas auseinander zu setzen. Diese Geschichte muss einen Vergleich mit der Nazizeit nicht scheuen.  Angesichts der Massengräber und zu Pyramiden aufgeschichteten Totenschädel bricht sie in Tränen aus.  Die Zahl schwankt zwischen 1,5 und 3 Millionen Menschen, die die Roten Khmer unter Pol Pot  bestialisch ins Jenseits befördert haben.

Es blättert Farbe An Wänden Wuchert der Rostpilz Rote Blüten treiben Auf grünem Lack Oxydbrände lodern und Abrissbirnen reifen und faulen im Zentrum althaussanierter Städte KUCKUCK! Kuckuck! Ruft’s aus der Uhr Im Museum der Jahreszeiten Ein...