Aufrufe: 115

Er bemüht sich. Er bemühte sich wirklich, ... Zwei Sätze. Eine Feststellung in zwei Zeiten, wiederholt und erweitert durch eine adverbiale Bestimmung, die unterstreichen soll, wie er sich bemüht und bemüht hat. Geradeso, als hätte einer infragestellen wollen, dass er sich bemüht. Dann ein Beistrich, der einen Nebensatz ankündigt, aber offen lässt, worum er sich bemühte. Ein Blatt Papier auf einem nun verwaisten Schreibtisch. Eine  Person, die verschweigt, wer gemeint und an wen das Schreiben gerichtet ist. Nicht die leiseste Andeutung. Nur diese Zeile. Handgeschrieben, als sollte es ein letzter Brief werden.

Ich bin ein Groschengrab, sagt sie. Das sagt man da so. Ich kenne diesen Ausdruck nicht, hab ihn noch nie gehört und bitte deshalb um Aufklärung. Was ist das, ein Groschengrab?, frag ich also. Hast es wirklich noch nie g’hört? Ja, wo lebst du denn?, fragt sie entrüstet. Heut würd’ man ja Cent sagen und nimmer Groschen. Centgrab müsst’s heut heißen. Aber nur weil wir jetzt den Euro hab’n, müss’n wir doch jetzt nicht alle Redewendungen, die mit Groschen z’ tun hab’n durch Cent ersetzen. Wie würd’ das denn klingen, wenn ich jetzt sag: Ist der Cent jetzt g’fallen bei dir? Ich hab verstanden, obwohl ich noch immer nicht weiß, was ein Groschengrab ist. Ein Groschengrab, klärt mich die Tante nun endlich auf, ist  ein Geldautomat, der Schilling oder Groschen schluckt, die heut Cent heißen. Er schluckt sie, aber spuckt sie nicht mehr aus, verstehst? Drum Groschengrab. Vom Grab stehst auch nicht mehr auf, außer du bist der Jesus. Gut, aber was hat das mit dir zu tun? Warum bist du ein Groschengrab? Wenn dich einer mit Geld füttert und du gibst es nimmer her, müsstest ja reich sein, versuche ich zu argumentieren. Jetzt hast es noch immer nicht kapiert? Das ist doch nur übertrag’n g’meint. Manchmal stellst dich wirklich blöder als bist oder willst mich ärgern? Weil mich alle mit ihren G’schicht’n füttern wie ein Automaten, hast es jetzt? Sie tippt mir auf die Stirn: Ist der Groschen jetzt g’fall’n? Drum.

Teil 1 Das virtuelle Reisen mit Mausklicks hat seine Tücken. Die Hyperlinks führen und verführen mich, da und dort zu verweilen, und in der Absicht, nur einen Schlenker zu machen, bin ich plötzlich in einem Irgend- oder Nirgendwo, und irre völlig plan- und orientierungslos durch das Netz, wie es Backpapers auch auf ihren Reisen tun.  Es ist ja auch reizvoll, einmal ohne Führer eine Gegend zu erkunden, und für die Zeit, die man für diese Umwege zugebracht hat, wird man mannigfaltig entschädigt. Die Wette aber, die ich mit mir selbst abgeschlossen habe, es Phileas Fogg in Jules Verne’s Roman "Le tour du monde en quatre-vingts jours" gleich zu tun, habe ich jetzt schon verloren. Kaum habe ich mit meiner Reise in Kambodscha begonnen, hatte ich im benachbarten Thailand schon sicher 30 Mal die Maus geklickt. Dabei warten noch 180 andere Länder darauf, auf diese Art und Weise bereist und erkundet zu werden. Bluthilde, das progressivste Blog im Netz, wie sein Untertitel unterstellt, brachte mich auf die Spur des Genossen Daniel Ortega, der dem – wie schon einmal zitiert – demokratisch vom Volk gewählten ArbeiterInnenpremier Thaksin aus Thailand einen Diplomatenpass ausgestellt hat... Wie wär’s also mit einem Schlenker in das Nicaragua Daniel Ortegas, der mittlerweile übrigens auch dem von allen Seiten bedrängten Gadaffi eine solidarische Grußbotschaft mit folgendem Inhalt zukommen ließ: "Nicaragua, meine Regierung, die Sandinistische Nationale Befreiungsfront und unser Volk begleiten Sie in diesen Schlachten und tragischen Momenten, in denen es um das Schicksal Afrikas, des Nahen Ostens und der Reichtümer der Menschheit geht.“  Ein Volk, ein Reich, ein Führer: So liest sich das. Zumindest für mich, der dort war, damals, als Ortega noch einer der Commandantes der sandinistischen Revolution war. Was ist aus diesem Nicaragua geworden?

Er hieß Schigu, eigentlich Zsigmond. Er hasste seinen Namen. Vor allem das eingedeutschte Sigismund. Wer ihn so nannte, war sein Feind. Und von denen gab es viele. Das Gymnasium, das wir besucht hatten, war ein Backsteinbau aus kleinen roten Ziegeln mit einem Turm, von dem aus man einen Blick über die Stadt werfen konnte. Es war eine kleine Stadt, die sich nicht ausbreiten konnte, da sie in einem schmalen Streifen zwischen dem Fuß eines Berges und am Ufer eines See’s lag. Ich saß in der hintersten Bank in der Fensterreihe und hoffte von den Professoren nicht gesehen zu werden. Eigentlich verbrachte ich meine Stunden in der Schule angestrengt damit, mich hinter meinem Banknachbarn in Deckung zu bringen. Das war schon deswegen nicht einfach, weil auch dieser alles unternahm, die Aufmerksamkeit der Lehrer nicht auf sich zu lenken. Nicht so Schigu, der einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn besaß und es nicht duldete, wenn Lehrer uns unsre Minderwertigkeit spüren ließen. Und von solchen, die ihr Ego auf diese Weise stärken mussten, gab es leider mehr als genug.